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"Pfunds Milch - Seife" aus Dresden

Dieser Text ist eine Zusammenarbeit mit dem

Urenkel & Buchautor

Paul Friedrich Pfund in Dresden.

Buchtitel

"Bei Pfunds war die Milch weißer"

http://www.pfunds-buch.de/willkommen,1.php

 

Mit freundlicher Unterstützung auch durch die

"Dresdner Molkerei Gebrüder Pfund"

http://www.pfunds.de

in memoriam

Paul Gustav Leander Pfund

geb.1849  gest. 1923


Mit Genehmigung Privatarchiv P. F. Pfund

Der spätere Geheimrat Paul Gustav Leander Pfund, Sohn eines Dresdner Sprit- & Likörfabrikanten, begann seine erfolgreiche Laufbahn als Landwirt in Reinholdshain.

1873  heiratete Paul Pfund in großer Liebe

Sophie Mathilde Zimmermann (1853 - 1891).

1874  kauften die Beiden das 1. Gut in Reinholdshain von seinem Vater für 18.200 Thaler. Es sollte nicht das Letzte sein.

Einige Jahre später verkauften sie das Gut wieder, weil Pfund voller Ideen & Tatendrang war, die sich so in Reinholdshain nicht verwirklichen ließen. Also zogen sie

1879  mit jeweils 6 Kühen & Schweinen nach Dresden Antonstadt.

Durch den Verkauf des Gutes war genügend Startkapital vorhanden.

Der Grundgedanke der Pfunds war, den bestehenden & florierenden Produktenhandel durch Milchkuranstalten zu erweitern.

Aber als 1.Vorhaben stand die Milchversorgung der Dresdner Bürger nach hygienischen Gesichtspunkten auf ihrem Plan.

Zu ihrer Zeit kam die Milch täglich in offenen Wagen, gezogen von Hunden, Eseln oder Pferden,

aus den umliegenden Dörfern in die Stadt.

Dazu kam, dass die Milch nicht gekühlt war & deshalb musste sie schnell an die Hausfrau gebracht werden.

Von Sauberkeit & Hygiene konnte also keine Rede sein.

Auf dem Rückweg nahmen die Fuhrwerke Küchenabfälle oder alte Kleidung mit, die möglicherweise gegen Milch, in Ermangelung von Geld, getauscht wurden.

1880 in einem kleinen Laden, in der damaligen Waldgasse 1,

der heutigen Görlitzer Straße in der Dresdner Neustadt, wollte Pfund der stetig wachsenden Stadtbevölkerung hygienisch einwandfreie Milch liefern.

Eine wahrhaft große Herausforderung !

Etwa 150 l Milch wurden täglich, in den Anfängen seiner Milchwirtschaft, verkauft. Seinen Verkaufsraum gestaltete er so, dass seine Kunden durch Glasfenster zusehen konnten, wie seine Kühe gemolken, die Milch gekühlt & durch feine Stofftücher zur Reinigung gegossen wurde. Dieses Verfahren sicherte ihm das Vertrauen seiner Kundschaft & der Käuferkreis vergrößerte sich stetig. Bald wurde das Lädchen zu klein, er zog in die

Bautzner Straße 41 um, denn er & seine Firma waren bereits über die Grenzen Dresdens hinaus bekannt.

Pfund stand allen technischen Entwicklungen & Verbesserungen auf dem Gebiet der Milchwirtschaft überaus aufgeschlossen gegenüber & förderte diese. So erwarb er z.B. als erster Sachse eine "de Laval Zentrifuge" zur Entrahmung & Reinigung der Milch. Ebenfalls

1880 stieg Pfund´s Bruder, der Hofschauspieler Friedrich August Pfund in das Unternehmen mit ein. Seinen Charme setzte er ein, um wichtige Persönlichkeiten von der Wichtigkeit des Unternehmens zu überzeugen & requirierte zahlreiche neue wichtige Kunden. Von da an firmierte das Unternehmen als "Dresdner Molkerei Gebrüder Pfund".

1883  starb Bruder Friedrich, aber Paul Gustav Leander Pfund behielt aus Pietät & Dankbarkeit den Namen "Gebrüder Pfund bei".

in memoriam

Hofschauspieler

Friedrich August Pfund

geb. 1843  gest.1883


Mit Genehmigung Privatarchiv P. F. Pfund

Doch bald wurde das Geschäft wieder zu klein, größere, angrenzende Grundstückszukäufe schafften genügend Platz.

1886  kaufte Paul Pfund ein 2. grosses Reinholdshainer Gut

für 155.000 Mark.

Die spätere, "Pfund´s Erbenhof" genannte, Gutsanlage mit Feldern - Teich - Wiesen & Wäldchen wurde zur vorbildlichen Gutsanlage, welche aufs Beste ausgestattet war.

In ihr wurde ausgesuchtes leistungsfähiges Simmentaler Milchvieh gezüchtet.

1891 verstarb Sophie Mathilde Pfund, welche ihrem Mann nicht nur

6 Kinder schenkte, sondern ihm auch Partnerin & Beraterin in vielen geschäftlichen Fragen war.

1891 entstand das prunktvolle Haupthaus in der

Bautzner Strasse 79.

Im Erdgeschoß gab es einen großen offenen Verkaufsraum, welcher in Zusammenarbeit mit den Künstlern von Villeroy & Boch in Dresden entworfen & mit handbemalten Fliesen im Stil der Neorenaissance verkleidet wurde. Noch heute sind diese Fliesen im Laden zu bewundern & ziehen Besucher aus aller Welt an.

 

Im oberen Teil des Hauses entstanden moderne Kontorräume & Wohnungen für das Personal.

Mit Genehmigung http://www.pfunds.de

Paul Pfund war inzwischen zum "Königlich Sächsischem Kommerzienrat" & zum Träger des Ritterkreuzes des Albrechtsordens I. Klasse ernannt worden.

Er machte seine Firma zu einem unabhängigen, sich selbst versorgenden Mikrokosmos & besann sich auf eigene Ressourcen.

Alles, was man brauchte, wurde selbst entwickelt & hergestellt.

Ein Landgut mit ausgesuchtem Tierbestand stellte unter Aufsicht, des bekannten Hygieniker Dr. Hesse,

Vorzugsmilch für Kleinkinder her.

Eine ökologisch aufgebaute Schweinemastanlage mit 500 Tieren nahm überschüssige Milch in Spitzenzeiten ab.

 

Es entstanden ein Labor, eine Kartonagenfabrik mit Etiketten- & Reklamedruckerei in mehreren Sprachen, eine Wagenmeisterei, eine Schmiede zum Beschlagen von etwa 100 Pferden, eine Klempner- & Lackiererei, eine Dosenfabrik, sowie eine Schneiderei & Wäscherei für die Arbeitskleidung der Angestellten & die Uniformen seiner Kutscher. 

Sozial denkend richtete Paul Pfund die betriebliche Kranken- & Rentenkasse für seine Mitarbeiter ein, ließ eine Badeanstalt bauen & führte den 8 Stunden Arbeitstag ein.

 

Patente für die milchwirtschaftlichen Geräte wurden eingereicht & erstmals in der Milchwirtschaft die Grundform der Pasteurisierung der angelieferten Milch eingeführt. Noch heute werden die Grundformen nach diesem Prinzip angewandt.

Aufgrund der Überproduktion von Milch stellte Pfund´s Molkerei als erste in Deutschland "condensirte Milch" her. Später wurde sie "Condensmilch", für das Ausland "Condensmilk" & noch wesentlich später erst wurde sie "Kondensmilch" geschrieben. Dadurch etablierten sie sich auch auf den Märkten im Ausland & lieferten diese in alle Welt.

1892  entstand eine Seifensiederei.

Mit Genehmigung P. F. Pfund

Am 7. August

2015  schrieb uns Herr Paul Friedrich Pfund:

 

"Im "Prima Nota", dem Kassenbuch, sind die Ausgaben für Lizenzen, Rezepturen, Laugenkessel, Seifenformen, Galvanos, Trockenschränke nachvollziehbar.

Die Produktion lief an und dazu engagierte man extra einen wohlbestallten (bedeutet: eine gute berufliche Position habend), erfahrenen Parfümeur.

Das erste Milchseifenkonto hielt fest, dass man 45 große Kartons Seife à 60 Pfennige und 100 kleine à 23 Pfennige an die Läden verteilte.

Pfunds Milchseife, beste Toiletten-, Bade- und Kinderseife, rief die in Dresden und Sachsen ansässigen Seifenfabrikannten auf den Plan. Konkurrenz wurde gewittert."

Ein Dresdner Seifenhersteller, Louis Jumpelt, fühlte sich Anno

1894 mit einem Zeitungsartikel genötigt, folgenden geharnischten, doch letztlich erfolglosen Verriss des Konkuttierenden Produktes vorzunehmen.

 

Zur Kenntnisnahme des Publikums (Pfunds Milchseife betreffend)

 

Zu wiederholten Malen erlässt die Firma Gebrüder Pfund, Dresden, Bautzner Straße, in verschiedenen Zeitungen Annoncen bezüglich ihrer so genannten Milchseife mit dem Bemerken, dass dieselbe aus bester, reinster Kuhmilch hergestellt sei.

Wie der gerichtlich eidlich verpflichtete

Chemiker Herr Dr. phil. Hefelmann, Dresden,

in seiner Analyse vom 9. Oktober 1894 über die sog.

Pfundschen Milchseife beispielweise erwähnt,

steht es weder mit wissenschaftlichen Grundsätzen,

noch mit praktischer Erfahrung im Einklange,

wenn man die Überfettung einer Seife durch Butterfett

noch als einen Vorzug hinstellt,

wenngleich Herr Dr. Hefelmann gern zugibt,

dass eine schädliche Wirkung einer mit ranzigem Fett überfetteten Seife bisher noch nicht bekannt geworden ist.

Auch der Vorzug der Milch, das Butterfett in äußerts feiner Verteilung zu enthalten,

kann der Milchseife nicht nachgerühmt werden,

denn bei miskroskopischer Prüfung der wässrigen Auflösung der Milchseife sind die Fettkügelchen nicht kleiner als bei Lösungen von auf andere Art überfetteten Toilettenseifen.

Von diesem Gesichtspunkt aus muss aber der Gehalt an allen übrigen Milchbestandteilen der Milchseife geradezu als ein Ballast bezeichnet werden, da diesem keinerlei reinigende oder

sonst günstige Wirkung zugesprochen werden kann.

Louis Jumpelt

Nachschrift:

Die wörtliche Analyse des Herrn Dr. phil. Hefelmann kann im Original auf dem Contor von L. Jumpelt, Dresden, Hohe Strasse 18, eingesehen werden.

 

Doch Qualität setzte sich durch. Der Onkel des Kommerzienrates,

Peter Gabriel Hermann Pfund, reiste für das Produkt und man vertrieb es sehr erfolgreich, sogar in mehreren europäischen Ländern.

Dr. Kurt Albert Pfund schrieb von einem Massenexport nach Österrreich, Russland und Italien.

1923  nach dem Tod von Paul Gustav Leander Pfund übernahmen seine Söhne Kurt & Max die Firma, in der sie zuvor schon in leitenden Positionen tätig waren. Um

1928  veräußerte Kurt Pfund seinen Firmenanteil an die Meierei Bolle Berlin & zog sich ins Privatleben zurück.

Max Pfund führte das Unternehmen alleine weiter. In den

1930er Jahren wurden täglich schon rund 60.000 l Milch zu Milchprodukten verarbeitet.

Kurz gesagt - das Unternehmen Pfund belieferte Dresden & die Welt mit allem, was aus Milch hergestellt werden konnte. z.B.
Babynahrung - Butter - Joghurt - Frischkäse - Limonade aus Molke - Kefir - Buttermilch - Sahne - Butter - Käse - Milchpulver - Kondensmilch & auch die "Pfund´s Milch - Seife".

Auch diese Produkte kamen bei der Kundschaft sehr gut an.

Wann die Produktion der "Pfund´s Milch - Seife" eingestellt wurde ob vor, während oder nach dem 2. Weltkrieg ist leider nicht bekannt.

Mehrfach musste das Unternehmen erweitert werden. Deshalb wurde eine Zweigstelle zur Herstellung von Kondensmilch in Lobositz/Böhmen aufgebaut & eine Molkerei in Löbau hinzugekauft.

Den Mitarbeitern standen Dienstwohnungen, die der Molkerei gehörten, zur Verfügung. Es gab einen innerbetrieblichen Kindergarten, einen Saal mit Theaterbühne, welcher für Geselligkeiten & Feiern genutzt wurde,

er bot Platz für 500 Betriebsangehörige & Gäste.

Auch an einen Bierausschank

(im Volksmund auch Bierschwemme genannt),

in der Betriebskantine, für ihre durstigen Milchkutscher wurde gedacht. Nach dem Motto :

 

"Wer tagsüber Milch ausfuhr konnte sich abends auch ein oder mehrere Bierchen genehmigen."

 

Kurt & Max Pfund waren, wie ihr Vater, sozial denkende Unternehmer & deshalb behielten sie seine Errungenschaften, wie Kranken- & Rentenversicherung usw., für Ihre Mitarbeiter bei. 

1945  gab es allein in Dresden bis zu 50 Verkaufsstellen welche Pfund´s Milchprodukte verkauften.

Am Ende des 2. Weltkrieges überstand der Laden die starken Bombardierungen & die Zerstörung Dresdens.
1946/47 gab der Großvater (von Paul Friedrich Pfund) Max Pfund

das Geschäft auf.

Ab dem Zeitpunkt war der Milchladen sozusagen nur noch ein Anhängsel des Molkereibetriebes mit ca. 380 Mitarbeitern in Produktion & Verwaltung.
1960  übernahm die Mutter von Paul Friedrich Pfund,

dem Buchautor, Frau Johanne Pfund, als geschäftsführende Komplementärin den Betrieb.
1961  musste zwangsweise staatliche Beteiligung,

auf Druck der herrschenden Genossenriege, aufgenommen werden.

Bei einer Ablehnung würden Repressionen, wie die Streichung wichtiger, geplanter Investitionen im Betrieb, inkrafttreten.

1969  sollte die Fliesendekoration, auf Anweisung engstirniger Genossen, vernichtet werden, da diese den Anforderungen einer sozialistischen Verkaufseinrichtung nicht gerecht seien. Vor allem auch wegen eines Konterfei von Kaiser Wilhelm II. in einer Ecke des Ladens.

Die Geschäftsführerin Frau Johanne Pfund war so schockiert,

dass sie sofort Himmel & Hölle in Bewegung setzte &

mit Hilfe des Denkmalschutzes gelang es ihr den Laden zu retten. Er wurde mit damaligen bescheidenen Mitteln restauriert, unter Denkmalschutz gestellt  & überstand so weitestgehend unbeschadet die nachfolgende Zeit.

 

Hier zeigte sich deutlich, dass negativer Druck etwas sehr positives bewirkte. Nämlich die Rettung eines wichtigen baulich kulturhistorischen Objekts.

 

1971  verstarb Frau Johanne Pfund & ihr Sohn Paul Friedrich Pfund wurde
1972  zum Betriebsdirektor berufen. Allerdings wurde der Molkereibetrieb & damit auch der Laden verstaatlicht &

aus dem eigentlichen Erben wurde zwar ein Direktor -

aber doch auch ein Angestellter im vormals eigenen Unternehmen.

 

Dieses Schicksal musste er mit sehr vielen Unternehmern in der DDR leider teilen. Viele konnten diesen Zustand nicht ertragen & haben sich in die BRD verabschiedet.

 

Ebenfalls

1972  übernahm die staatliche Handelsorganisation- kurz HO -

den Milchladen.

1978  wurde der Molkereibetrieb eingestellt, weil der Neubau der

VEB Dresdner Milchwerke in Betrieb ging.

Der Milchladen bestand weiter.

1978  in diesem Jahr verließ Herr Paul Friedrich Pfund das Familienunternehmen & nahm beruflich eine andere Herausforderung in Dresden an.

1989  nach dem Zusammenbruch der DDR,

gab die HO den Laden auf.

Herr Paul Friedrich Pfund, Urenkel des Gründers, ließ die Schaufenster mit Holzplatten sichern. In den benachbarten Geschäften waren schon Scheiben eingeschlagen worden &

er befürchtete Vandalismus, welcher vor der schönen Einrichtung keinen Halt gemacht hätte.

Mit Genehmigung http://www.pfunds.de

In den

1990er Jahren waren trotzdem umfangreiche Arbeiten zur Restaurierung nötig. Diese machten den "Milchladen" wieder zu einem Schmuckstück.

Beschädigte & fehlende Fliesen wurden, nach alten Vorlagen im Auftrag der neuen Eigentümer, von Villeroy & Boch in Mettlach hergestellt. So konnte der Laden

1995 im alten Glanz der Öffentlichkeit mit fast 248 m2 handbemalten Fliesen präsentiert werden.

Seitdem werden in "Pfund´s" ehemaligen Milchladen vor allem exquisite Spezialitäten der Feinkost, Souvenirartikel &

delikate Käseprodukte, vorwiegend aus Rohmilch, verkauft.

1997 wurde das Objekt als "Schönster Milchladen der Welt" in das

"Guinness Buch der Rekorde" eingetragen.

Zeitweise wurde auch darüber nachgedacht,

den Hinterhof der Molkerei in ein Hundertwasser Quartier,

ähnlich dem "Hundertwasser - Krawinahauses" in Wien, umzuwandeln. Leider machte der Tod des Künstlers

Friedensreich Hundertwasser (1928 bis 2000)

das Projekt vorerst zunichte.

1998 war das Modell für die Gestaltung des

Molkerei - Hinterhofes fertig.

Mit Genehmigung Privatarchiv P. F. Pfund

 

ENDE

Ich bedanke mich herzlich für Ihr Interesse!