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"Gebrüder Fitzau" Seifenfabrik Köthen - Anhalt

Danksagung

Auf diesem Wege möchte ich mich bei 

Herrn Michael Schramme

für seine Erlaubnis bedanken, aus seinem Buch

"Köthener Familiengeschichten - Die Seifensiederfamilie Fitzau"

die Firmengeschichte in Auszügen hier zu veröffentlichen.

 

Das Buch befindet sich in meinem Besitz.

Erschienen im:

Funk Verlag Bernhard Hein e.K.

Dessau- Roßlau

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Eine Sage geht um in Cöthen

 

1854  saßen die Menschen am Nachmittag vor ihren Häusern, in der kleinen Residenzstadt Köthen, ruhten sich aus und plauderten angeregt.

 

Auch Hinrich und Theodor taten dies Pfeife rauchend, denn die Arbeit in einer Köthener Seifensiederei war hart und schwer.

Theodors Frau Johanne, saß mit ihrem sechs Monate jungen Wilhelm auf dem Arm, neben ihrem Mann.

Dieser Jüngling war für sein Alter ziemlich mobil und lebhaft.

 

Ein Losverkäufer aus Leipzig, von einer konzessionierten Gesellschaft,

spazierte ihre Straße entlang. Bisher hatte er kein Glück bei den anderen Familien, die auch vor ihren Häusern plauderten. Also blieb er vor Theodor und Hinrich stehen, beugte sich mit seinem Bauchladen zu Johanne gewandt vor, mit Wilhelm auf dem Arm, und fragte sie verschwörerisch:

"Na- alles Glück, soviel Glück, liebe Frau?" 

Der quicklebendige Wilhelm griff vorwitzig in den Loskasten und griff mit seiner kleinen Hand  ein paar Lose, von denen einige auf dem Boden landeten, aber eines blieb in seiner Hand.

Johanne sagte zu Wilhelm "Tu das zurück" sicherlich wissend, dass ihr Söhnchen die Worte nicht zu deuten wusste.

Denn sie fürchtete, seitens des Verkäufers, Pöbelei und Schadensersatz.

Hinrich, der bis dahin weder etwas gesagt noch getan hatte, erhob sich, nahm das Los aus Wilhelms Händchen und sagte zu seinem Bruder:

"Theodor - dies kann ein Wink des Schicksals sein - wir werden es kaufen."

Gesagt getan, sie kauften ein volles Los und viele die Tage und Wochen zogen ins Land und bald war der Losverkäufer vergessen.

 

Irgendwann kam ein Brief aus Leipzig von einer staatlichen Lotteriegesellschaft mit der Aufforderung zwecks einer Auszahlung in Leipzig vorstellig zu werden. Über die Höhe des Gewinns von 75.000 Talern stand nichts in dem Brief.

Die Brüder nahmen den Brief mit Humor auf und fuhren nach Leipzig.

Die Nachbarn witzelten und lachten Tränen als sie Ihnen vorschlugen ihnen:

"Wir bringen euch mit Pferd und Wagen zur Bahn und holen euch wieder ab, damit ihr euch mit dem vielen Geld abzuschleppen braucht!"

 

In Leipzig angekommen und nach den Glückwünschen des Vorstehers fragte dieser die Brüder ,was sie mitgebracht hätten um das Geld einpacken zu können?

Hinrich griff unter den Stuhl und holte eine Samttasche hervor.

"Das soll genügen?

Meine Herren, nach den Ausspielvorschriften müssen wir Ihnen das Geld genau in den Werten auszahlen wie es gewonnen wird - nämlich in 75.000 einzelnen Talern - das sind in etwa sechszehn Zentner Taler!"

Hinrich machte sich auf den Weg um sechs Jutesäcke zu besorgen und sie wurden damit in einen vielfach verschlossenen Raum geführt.

Sie standen vor 750 silbernen Türmen, welche auf die sechs Säcke aufgeteilt und hinein geschüttet wurden.

Theodor lief zum Bahnhof in der Nähe um vier Dienstmänner zu rekrutieren, die bei dem Transport helfen sollten.

Im Zug erhielten sie ein separates Abteil.

 

In Köthen angekommen wartete dort tatsächlich der Bauer mit seinem Pferdefuhrwerk am Bahnhof umringt von vielen Neugierigen.

Die Brüder Theodor und Hinrich hievten Sack für Sack aus dem Zug und

die Umstehenden belächelten die Beiden, weil sie glaubten, dass in den Säcken altes Eisen statt ein Gewinn wäre.

 

Noch am gleichen Abend erlebte Köthen das bis dahin größte Fest.

Theodor erwarb die Seifensiederei in der bisher geschuftet hatte und Hinrich machte sich seither ein gutes Leben.

 

Wie schon geschrieben, es ist nur eine Geschichte, deren Erzählerin ihr Augenlicht verpfändet hätte, wäre diese Mär nicht wahr.

 

Die rot gekennzeichneten Texte sind Originalzitate aus o.g. Buch.

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Zu Beginn dieser Familiengeschichte wurde die damalige Residenzstadt "Cöthen" noch mit "C" und erst später mit "K" geschrieben.

 

1826  im September, wurde Theodor Carl August Friedrich, der spätere Firmengründer, als vierter Sohn der Eheleute Pfarrer Gottlieb Carl Wilhelm Fitzau und Frau Auguste Christiane, in Ilberstedt, geboren.

 

Die 1. Generation des Unternehmens 1852 - 1884

1845  begab sich Theodor Carl August Friedrich auf die Reise nach Braunschweig wo er bei dem Hofsiedemeister Bens in Lehre ging.

Theodor war geschickt und fleißig, sodass er 

1848  zur Gesellenprüfung zugelassen wurde, welche als Note mit der Zensur "treu und fleißig" bewertet wurde. Zu dieser Zeit war es üblich nach der Lehre auf Wanderschaft zu gehen.

1849  verlobte sich Theodor mit seiner Spielkameradin aus Kinder- und Jugendzeit in Ilberstedt.

1850  schrieb Theodor seinen Vater, dass es an der Zeit wäre nach Hause zurück zu kehren, sich seinen Meistertitel zu erarbeiten und eine Familie zu gründen. Im März

1851  stellte Theodor den Antrag in Cöthen "Auf Aufnahme in die hiesige Kammer und Zulassung zum Meisterrecht" mit dem Hinweis auf die väterliche Mitgift von 4.000 Talern. Leider folgte keine Antwort.

 

1852 Das ereignisreiche Jahr:

Vater Gottlieb Carl Wilhelm schrieb an das "hohe Ministerium" mit der Bitte, dass sein Sohn in sein Vaterland zurückkehren dürfte und wies auf den Erwerb eines Grundstücks hin, welches eine Seifensiederei werden sollte.

Erst im März  antwortete das Ministerium.

Im April  wurde Theodor Bürger der Stadt Cöthen.

Im Juli  fertigte er sein Meisterstück vor den Mitgliedern der Innung an und erhielt den Meisterbrief eines Seifensieders.

In August  wurde der Kaufvertrag für das Haus und das Grundstück in der Schalaunischen Straße 18 schriftlich besiegelt.

Am 20. November  fand schon die Gründung der Seifensiederei durch Theodor Carl August Friedrich (1826 - 1904) statt. Zunächst arbeitete er alleine in seinem Unternehmer.

1884  entschloss sich Theodor C.A.F. Fitzau, nach über 30 Jahren fleißiger Arbeit, sein Unternehmen an seine Kinder weiter zugeben.

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Die 2. Generation des Unternehmens 1882 - 1919

Die Söhne  N° drei und vier des Firmengründers, 

Theodor Karl Friedrich Wilhelm August geboren 1858 und

Paul Theodor geboren 1859

begeisterten sich schon sehr früh für die Seifenherstellung, denn schon im Sandkasten auf dem Hof der Firma, formte Theodor Karl Seifenstücke,

die Bruder Paul in seinem kleinen Laden verkaufen musste.

Ihr Vater erkannte das Talent seiner Söhne und förderte diese gezielt.

 

Nach Ihre Schul - und Berufsausbildung lernten sie das Seifen sieden von der Picke an. Im Juli

1884  übernehmen beide Söhne die Geschäftsführung. Um unternehmerisches Risiko zu verkleinern wurde die Firma "Theodor Fitzau" in eine GmbH umgewandelt und als solche als 

"Gebrüder Fitzau GmbH" ins Handelsregister eingetragen.

 

In der Heinrichstraße 13 wurde ein neues Firmengelände gekauft, wobei der Seitenflügel und das Hinterhaus zum neuen Produktionsstandort ausgebaut wurde.Theodor wohnte im Vorderhaus während Paul weiter im Elternhaus in der Schalaunischen Straße 18.

 

Die Brüder verliebten sich in die Töchter des Fleischermeisters Schreiber.

Paul in Anna und Theodor in Emma.

1887  wurde geheiratet. Beiden Paaren wurden noch vor der Jahrhundertwende jeweils drei Kinder geboren.

 

Theodor überwachte den gesamten Herstellungsverlauf vor Ort in der Heinrichstraße 13. Dabei ging es um

*** die Rezepturen und die Qualität der Seifen

*** die Bereitstellung der Rohstoffe

*** die Pflege - Wartung und Reparaturen des Maschinenparks.

 

Paul war für das Kaufmännische zuständig. Er kümmerte sich um

*** die Erweiterung des Kundenkreises

*** die Überwachung der Lieferungen.

 

Seifen, die damals als Spitzenprodukte bezeichnet wurden waren, 

*** die "Oranienburger Waschkernseife" für schmutzige Hände und

*** die Toilettenseife "Echte Schwerter Seife".

 

1904  begann der älteste Sohn von Theodor Wilhelm Heinrich Friedrich August,  Wilhelm Heinrich Friedrich Theodor Junior geboren 1886

als Gehilfe in der Seifenfabrik seiner Eltern. Seine beiden Brüder schlugen andere berufliche Wege ein.

Wie damals üblich waren die Mädchen für das Leben in Haushalt und Familie zuständig.

 

Zu dieser Zeit begannen die Fitzau´s damit das Erscheinungsbild und die Herstellungsweise ihrer Seifenprodukte zu verbessern, was zu einer erneuten Umsatzsteigerung führte.

Wurden vorher in

*** acht Stunden ca. 3.500 Stück Seife - waren es danach in

*** einer Stunde ca. 1.000 Stück Seife hergestellt.

 

1919 starb Paul Theodor Fitzau und seine Frau Anna 1948 in Köthen.

1935  kurz nach der Goldenen Hochzeit starb Senior Theodor Karl Friedrich Wilhelm August Fitzau, sein Frau Emma starb 1943.

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1949 - 1964 "Puck´s" Feinseifen

Die "Puck Feinseife" wurde anfangs auch in den Duftnoten

"Palmoliv, Chatelaine, Lawendel" hergestellt.

Seife - us - 8 x 5,5 cm - 100 g 

Auspreisung in : DM 0.70

Hersteller : Gebr. Fitzau Seifenfabrik Köthen-Anhalt

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1964 - 1967 "Puck´s" Feinseifen

Seifen - us - 8 x 5,5 cm - je 100 g 

Auspreisung in : MDN 0.70

Hersteller : Gebr. Fitzau Seifenfabrik Köthen-Anhalt

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Die 3. Generation des Unternehmens 1919 - 1972

1902  begann Wilhelm Heinrich Friedrich Theodor Junior, 

geboren 1886, im hessischen Schlüchtern bei Fulda, seine Lehre als Seifensieder in der Seifenfabrik von Victor Wolf.

Das Lehrgeld betrug 300 Mark im Jahr bei einer Arbeitszeit von elf Stunden inklusive zwei Stunden Pause.

Und dies wahrscheinlich sechs Tage die Woche !?

1904  war seine Ausbildung beendet und er ging nach Cöthen zurück.

Dort arbeitete in der Firma seiner Eltern als Gehilfe. Von

1906 bis 1907  leistete er seinen "Einjährig - Freiwilligendienst" im Anhaltischen Infanterieregiment 93 in Dessau.

Dieses Jahr hinter sich gebracht wurde er in alle Geschäftsfelder eingeführt.

Außerdem arbeitete er als Seifensieder und wurde mit den verantwortungsvollen Aufgaben eines Geschäftspartner vertraut gemacht.

1914  bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde Theodor Junior eingezogen und wurde mit allen Schrecken des Krieges konfrontiert.

1918  kehrte er mit einigen überstandenen Verwundungen zurück nach Cöthen. Während des Krieges gab es die "Seifenkarte". Nur beim Vorzeigen dieser Karte gab es Kriegsseife zu kaufen. Wie alles wurde auch Seife rationiert. Als sein Onkel Paul Fitzau 

1919  starb geht Theodor Junior in die Geschäftsleitung. Im selben Jahr geht sein Vater Theodor Fitzau Senior in den Ruhestand und übergab 

Theodor Junior die Gesamtleitung der Firma.

1922  heiratete er Käthe Meyer und

1923  wurde der älteste Sohn geboren, wie damals üblich mit dem Namen des Firmengründers Theodor Heinrich Friedrich. 

1925/26  in den wirtschaftlich schwierigen Jahren kaufte Theodor Junior trotzdem die Schokoladen - und Kaffeefabrik von Otto Schmidt aus Leipzig.

1926  wurde ein weiterer Sohn geboren Werner Emil Erich Fritz und

1927 die Tochter Brigitte Elisabeth. Ebenfalls 

1927  legte die Staatsregierung fest, das "Cöthen" künftig mit "K" , also "Köthen" zu schrieben ist.

Kuriose und interessante Geschichten bezüglich der Leipziger Fabrik in kamen in Köthen auf. So kam Sohn Werner eines Tages gehänselt aus der Schule mit dem Satz: "Fitzau - deine Schokolade schmeckt nach Seefe!"

1928  wurde das Haus des Gründers in der Schalaunischen Straße 18 in Köthen abgerissen.

Es war die Zeit der Weltwirtschaftskrise, welche auch die Köthener Seifensiederei nicht verschonte mit Massenarbeitslosigkeit. Als diese

1936  überstanden war konnten Maschinen instand gesetzt werden und neue sogar gekauft werden.

Nach den schweren Kriegsjahren kamen die Amerikaner, besetzten Köthen und alle Inhaber von Geschäften wurden auf Zuverlässlichkeit und Verstrickung mit dem Nazisystem überprüft.Theodor Junior wurde die Zuverlässlichkeit bescheinigt und erhielt

1945  die Genehmigung die Firma unter dem Namen

"Gebrüder Fitzau Dampfseifenfabrik" weiterzuführen. Dann übernahmen die Russen das städtchen Köthen und

1946  gelang es Theodor Junior eine Toilettenseife herzustellen, deren Bestandteil Palmöl von den Russen besorgt wurde.

1952  wurde mit allen Mitarbeitern das 100 jährige Firmenjubiläum gefeiert.

Glückwünsche aus dem Kundenkreis, Wirtschaft und Politik erreichten die Jubilare. Gewürdigt wurden die Fachkenntnisse der Seifenherstellung, die strenge Rechtschaffenheit im Geschäftsgebaren, sehr großer Fleiß und Weitblick als Kaufmann.

1953  feierte Theodor Junior seinen 67. Geburtstag. Damit war er derjenige, der die längste Zeit als Chef der Firma fungierte.Schon zu dieser Zeit wurde angefangen privat geführte Betrieb zu verstaatlichen. Mitte der

1950er Jahre wird die Belegschaft reduziert auf 15 bis 20 Mitarbeiter.

1962  wurde das 110. Firmenjubiläum begangen. Keine andere Firma konnte auf eine so lange Firmengeschichte in Köthen zurück blicken.

1963  starb Junior Theodor Fitzau nach großem Schaffen und Pflichterfüllung.Seine Frau Käthe, die er 1922 ehelichte, führte mit zeitweiliger Unterstützung ihrer Tochter Brigitte, das Unternehmen weiter.

1969  feierte Käthe Fitzau ihren 70. Geburtstag und

1972  wurde das Unternehmen, nach 120 Jahren, verstaatlicht und in

"VEB Waschmittelherstellung Köthen" umbenannt und war dem 

"VEB Waschmittelwerk Genthin" unterstellt.

1975  verstarb Käthe Fitzau und ihre Tochter Brigitte 2004. 

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 ENDE

Ich bedanke mich herzlich für Ihr Interesse!

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