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Frau Elisabeth Langgässer - die "Lohse AG"

und

"Der Duft nach Sauberkeit und Frische"

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 in memoriam

(*23.Februar 1899 - † 25. Juli 1950) 

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Deutsche Schrifstellerin

 

1899  wurde Elisabeth Langgässer, als Tochter des großherzoglichen Architekten und Baurats Eduard Langässer, in Alzey geboren.

Sie war Mitglied aus einer in Mainz stammenden jüdischen Familie.

Ihr Vater konvertierte vom Judentum zum Christentum und 

ihre Mutter Eugenie war katholisch getauft.

1901  wurde ihr Bruder Heinrich geboren.

1909  starb Elisabeths Vater und sie zog mit Mutter & Bruder Heinrich nach Darmstadt. Dort besuchte sie die Victoriaschule, absolvierte das Abitur und

ein einjähriges Lehrerinnenseminar. Von

1920 - 1928  arbeitete sie als Volksschullehrerin in einer Seligenstädter Knabenschule und in Griesheim.

1924   erschien ihr 1. Gedichtband "Der Wendekreis de Lammes"

1926  arbeitete sie an der Kindheitsnovelle "Proserpina"  und es erschienen 1. Beiträge in der Rhein-Mainischen Volkszeitung. Vom Herbst

1927  bis ins Frühjahr 1928  unterhielt sie eine Beziehung zu dem jüdischen Staatsrechtler Hermann Heller.

Nach der Geburt der unehelichen Tochter Cordelia am

1. Januar 1929  zog sie im Frühjahr zu Mutter und Bruder nach Berlin und arbeitete dort als Dozentin an der "Sozialen Frauenschule".

Ihren Lebensunterhalt bestritt sie u.a. auch mit dem Schreiben von Hörspielen. 

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Von

1930 bis 1931  arbeitete Elisabeth Langgässer als freie Schriftstellerin und hatte eine Lehrtätigkeit inne. 

Bei dieser lernte sie den katholischen Religionswissenschaftler und Philosophen Wilhelm Hoffmann aus Marburg kennen.

1931  erhielt Frau Langgässer den Literaturpreis des

"Deutschen Staatsbürgerinnenverbandes" für ihr Manuskript "Proserpina".

1932  erschien die Erzählung : "Grenze : Besetztes Gebiet" und

der Novellenband "Triptychon des Teufels".

1933  trat sie in die "Reichsschrifttumkammer" ein und

ihre Kindheitsnovelle "Proserpina" erschien.

Außerdem begann sie ihre Arbeit im Berliner Rundfunk und begegnet dem dort tätigen Redakteur Wilhelm Hoffmann, welcher bei Martin Heidegger über "Augustinus" promoviert hatte.

1935  erschienen Frau Langgässers "Tierkreisgedichte". Im Juli

1935  heiratete sie Wilhelm Hoffmann.

Mit dieser Ehe entkam sie den Nürnberger Rassengesetzen, die im Dezember 1935 in Kraft traten. Frau Langgässer war nach diesen Gesetzen "Halbjüdin" und ihre Tochter Cordelia "Dreivierteljüdin".

1936  erschien der Roman "Der Gang durch das Ried".

Im Mai gleichen Jahres kam für sie der Ausschluss aus der Reichsschrifttumkammer.

1938 konnte trotz dieses Ausschlusses der Erzählband 

"Rettung am Rhein" in Salzburg erscheinen.  

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1936  war aber nicht nur das Jahr des Ausschlusses, der Elisabeth zu schaffen machte, sondern vor allem das Publikationsverbot wegen nichtarischer Abstammung.

In dieser Zeit schrieb sie “für die Schublade” und textete Parfümreklame für "Uralt-Lavendel" der Firma "Lohse AG".

 

Dies war in der Zeit der Naziherrschaft kein ungefährliches Unterfangen für den letzten Besitzer der Firma von Oscar Lohse.

War doch jeder Zeit die Entdeckung der Beschäftigung einer "Halbjüdin" möglich und die Konsequenzen hätten verheerenden Schaden angerichtet. 

Deshalb steht auch nicht ein einziges Mal der Name 

"Elisabeth Langgässer" unter den Texten wie bei der Reklame von

Jupp Wiertz.

 

Der Theaterkritiker und Erzähler Georg Hensel (*1923 - †1996)

besuchte eine Lesung in Darmstadt mit Elisabeth Langgässer und

hatte anschließend Gelegenheit zu einem Gespräch.

 

Georg Hensel hatte im Vorfeld von einem Freund erfahren,

dass Frau Langässer in den 1930er Jahren für eine Parfümfabrik Reklame anfertigte.

Während der Unterhaltung in der Darmstädter Gaststätte "Bockshaut" fragte Georg Hensel Elisabeth Langgässer nach ihrer Reklamearbeit.

 

Zitat :

"Sie erzählte mir, die Berliner Firma Gustav Lohse habe ihr in einem Brief angeboten, für ihr Parfüm "Uralt Lavendel" zu werben. Im Mai

1936 aber, im Erscheinungsjahr ihres ersten Romans

"Der Gang durch das Ried" war über sie als "Halbjüdin" Publikationsverbot verhängt worden.

So teilte sie der Firma "Lohse" mit, sie müsse auf das Angebot leider verzichten, und nannte auch den Grund.

Nach einiger Zeit erhielt sie abermals einen Brief von der Parfümfabrik:

Man bedaure sehr, dass sie das Schreiben mit dem Angebot,

einen Reklame-Auftrag zu übernehmen, nicht beantwortet habe und bitte sie noch einmal um ihre Mitarbeit. Sollte sie Hemmungen haben, ihren Namen preiszugeben, so werde man selbstverständlich ihre Arbeit äußerst diskret behandeln, man brauche nicht ihren Namen, nur ihr Talent."

 

"Da wusste ich", sagte Elisabeth Langgässer in der "Bockshaut", dass man mir helfen wollte und sogar bereit war, ein Risiko einzugehen."

So kam es, dass sie für "Uralt Lavendel" den

"Duft nach Sauberkeit und Frische" erfand,  eine Formel, die rasch berühmt und oft zitiert wurde." ...

 

"Die Formel Elisabeth Langgässers war unmittelbar der Pflanze und ihrem populären Gebrauch abgewonnen, sie bestätigte allgemeines Wissen, sie hatte einen bäuerlichen gesunden Beigeschmack und war weitab von parfümierter Dekadenz." ...

 

"... für "Uralt Lavendel" werde nur "urechtes, allerfeinstes Lavendel" verwendet, keine "künstlichen Riechstoffe" ...

Natürlichkeit war Trumpf, und der wurde übertrumpft durch "verfeinerte Natürlichkeit. Gerühmt wurde die "angenehme Kühle", passend zur Frische der Frau." ... "... ein schlichter Duft auch für Männer", und diese Behauptung hatte im Krieg fast einen Hauch von sabotierter Männlichkeit." ...

 

"Freunde hatten Elisabeth Langgässer diesen Auftrag besorgt, der wegen ihres Publikationsverbots streng geheimgehalten werden musste.

Ihre Tochter Cordelia erzählt ... wie ihre Klassenkameradinnen auf einem Berliner Schulhof ihre schöne Mutter als "Tuschkasten" verhöhnten, weil ihre Mutter entgegen dem damaligen Ideal der deutschen Frau" die Schminke nicht verschmähte.

Um ihre Mutter zu rühmen, platzte Cordelia auf dem Schulhof heraus :

 

"Aber meine Mutter steht in allen Zeitungen. Sie ist es, die die Anzeigen für Uralt Lavendel schreibt!"

 

Kaum hatte sie´s gesagt, erschrak sie zu Tode: Ihre Mutter hatte ihr mit großem Ernst verboten, irgendjemand etwas über diese Werbetexte zu verraten, sonst "drohe der ganzen Familie ein nicht näher beschriebenes, aber schrecklichen Unheil". ...

 

Cordelias Gefühlsausbruch hatte zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise keine Konsequenzen. Aber erst als sie durch ihren Beichtvater zur Buße fünf Ave Maria aufsagen musste, war sie erleichtert. In der Zeit von

1938 bis 1941  wurden ganzseitige Anzeigen, farbig und luxuriös gedruckt, welche in den modischen Zeitschriften "Die neue Linie" -

"Die Dame" und dem Achsenblatt  "Berlin - Rom - Tokio" erschienen.

 

Texte gefunden in :

*** "Der Lavendel der Langgässer"

       Eine Erinnerung von Georg Hensel mit 15 Uralt Lavendel

       Anzeigen der Firma Lohse, Berlin, aus den Jahren 1938 - 1941

       1988 Verlag zur Megede, Darmstadt

 

Bilder gefunden auf : 

*** http://wwwalt.phil-fak.uni- duesseldorf.de/germ2/verboten/ver/

              langgaesser_preis.html (Photo links - mitte - mitte)

*** http://www.swr.de/archiv/regionen/100-groessten-rheinland-

              pfaelzer/langgaesserelisabeth/-/id=2367956/did=

              2462850/nid=2367956/ qah8se/index.html (Photo rechts)

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         1919                  1932                1937                       1943

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Danksagung

Ich möchte mich auf diesem Wege bei einer

Ururenkelin von Gustav Lohse von Herzen bedanken,

welche mir die o.g. Mappe

"Der Lavendel der Langgässer"

zum Geschenk machte,

sowie für die äußerst fruchtbare Zusammenarbeit bei der Aufarbeitung und Erweiterung der "Gustav Lohse" Familiengeschichte.

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Text der rechten Reklame

Duft nach Sauberkeit und Frische " schon auf den erster Blick -

Duft nach Sauberkeit und Frische " erst recht in nächster Nähe!

Lohse Uralt Lavendel hat diesen einzigartig erfrischenden Duft, weil es

urechtes, allerfeinstes Lavendel ist und ohne Beimischung künstlicher

Riechstoffe hergestellt wird. Seine schöne Duftwirkung wird noch

erhöht und verfeinert durch die hautreinigende Kraft, die ihm auch

noch in Wasser verdünnt eigen ist. Für seine Echtheit und gleich -

bleibende Güte bürgt der Schriftzug Lohse auf der Siegelmarke.

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1938, 1940 & 1942 gebar Elisabeth Langgässer die Töchter

Annette, Barbara und Franziska. Im Februar

1944  wurde Cordelia nach Theresienstadt, im Herbst nach Auschwitz deportiert. Elisabeth Langgässer erkrankte an multipler Sklerose und trotzdem zur Zwangsarbeit verpflichtet. Erst

1946  erfuhr sie, dass Cordelia überlebt hatte.

1948  zog Elisabeth Langgässer vom zerstörten Berlin nach Rheinzabern, wo sie am 25.Juli 1950  starb.

 

1990 gab Elisabeth Hoffmann,

Enkelin von Elisabeth Langgässer und Tochter von Cordelia Edvardson, Briefe von Elisabeth Langgässer aus den Jahren 1924 - 1950 heraus.

In dieser Sammlung werden Elisabeth Langgässers Leben und Gesinnung gegenwärtig.

 

Gefunden auf : 

*** https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Langg%C3%A4sser

*** http://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/texte/biographien/la

              nggaesser-elisabeth.html

*** http://www.langgaesser.de/lebenslauf.html

*** http://www.fr-online.de/literatur/elisabeth-langgaesser-die-

              wirklichkeiten-der-elisabeth-langgaesser,1472266,

              31303110.html  (1. Photo)

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in memoriam

(*1. Januar 1929 - †29. Oktober 2012) 

*** http://www.weylerforlag.se/forfattare/cordelia-edvardson/

            (copyright_dan-hansson) 

*** https://de.wikipedia.org/wiki/Cordelia_Edvardson (Stolperstein)

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Weitere Reklame mit Texten von

Elisabeth Langgässer 1938 - 1941

 

Hinweis

Die Texte stehen hier in genau der Ansicht wie auf den Original Reklamen.

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 Text der mittigen Reklame

 

... in Taschentuch 

und Wäsche gestäubt,

auf die Schläfen getupft

oder in der Hand 

verrieben, schafft Lohse

Uralt Lavendel

angenehme Kühle

und ringsum den

Duft nach Sauberkeit

und Frische -

 

Lohse Uralt Lavendel ist urechtes

Lavendel, keine Nachbildung mittels

künstlicher Riechstoffe ! Darum ist es

auch so einigartig erfrischend. Ge-

währ für seine Echtheit und gleich-

bleibende Güte bietet der Schriftzug

"Lohse" auf der Siegelmarke. 

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Text der mittigen Reklame

 

Mit dem Auto

in den Frühling - im geschlossenen oder offenen Wagen -

allein oder in Gesellschaft - immer tun ein paar Tropfen

Lohse Uralt Lavendel gut !

Es reist sich wirklich angenehmer

im Duft nach Sauberkeit und Frische

 

Lohse Uralt Lavendel ist urechtes Lavendel -

ohne jeden Zusatz  künstlicher Riechstoffe -

und darum so einzigartig erfrischend.

Gewähr für Echtheit und gleichbleibende Güte bietet der

Schriftzug "Lohse" auf der Siegelmarke.

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Text der rechten Reklame

 

"Duft nach Sauberkeit und Frische"

Gibt es etwas, das die Natürlichkeit und Anmut einer Frau

reizvoller betonen würde? -- ein paar Tropfen Lohse Uralt

Lavendel in Wäsche und Kleidung genügen.

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Text der linken Reklame

 

Es gibt wohl kaum einen Geruch, der an Männern

und Frauen auf die Dauer angenehmer und natürlicher

empfunden würde, als "der Duft nach Sauberkeit und

Frische". - Ein paar Tropfen Lohse Uralt Lavendel ge-

nügen, um sich und andere mit diesem charakteristischen

Wohlgeruch einer verfeinerten Natürlichkeit zu erfreuen.

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ENDE

Ich bedanke mich herzlich für Ihr Interesse !

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