*********************************************************************

Dies ist eine rein private Homepage.

Alle Texte, Label & Fotos sind Eigentum des Urhebers.

Sie werden hier nur als Hinweis der Qualität der Produkte erwähnt. 

 

Wenn Sie mir bei den Firmen Chroniken helfen möchten,

dann schreiben Sie bitte an

 

irland05@kabelmail.de

*********************************************************************

Diese Seite

stellt meine ganz privaten Ansichten dar.

 

Erinnerungen

 

an meine Heimat und mein Leben in der DDR bis 1989

*********************************************************************

Gefunden auf :

*** http://www.altes-wolgast.de/altes-wolgast.de/category/postkarte-hafen/

*** http://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Usedom/Kultur/Stadt-will-

              Schlossinsel-erschliessen

*** http://www.ebay.de/itm/WOLGAST-Stadt-und-Schloss-bei-Thomas-Wiering-

              Holzschnitt-1676-/152068936748

*********************************************************************

Wolgaster Stadtwappen

Die Stadt Wolgast wird durch seine Lage auch "Tor zur Insel Usedom" genannt.

*********************************************************************

1956 Karte oben

links oben Dreilindengrund

rechts mitte Schloßinsel

 

Karte unten

Schloßinsel - Brücke - Insel Usedom

Karten : Privat

*********************************************************************

1940/50er Jahre

 

Die Vorgeschichte :

Meine Omi & mein 1.Opa heirateten 1930.

Omi war Wäscherin & Opa Überlandstrommastsetzer. Opa wurde 1935 von einem fallenden Mast erschlagen & starb noch auf der Stelle. Omi war also schon mit 24 Jahren Witwe & meine Mutter, noch kein Jahr alt, Halbwaise.

 

Meine Omi hatte 11 Geschwister, 9 Mädchen & 2 Jungs, 2 Kinder starben kurz nach der Geburt. Alle lebten auf einem großen Bauernhof in der Nähe von Tempelburg bei Stettin, heute Polen.

Einige Jahre später zog meine Omi mit eine ihrer Schwestern nach Tempelburg & beide arbeiteten in einem Herrenhaus als Wäscherinnen. Meine Mutter blieb auf dem Bauernhof.

Die Schwester meiner Omi heiratete, doch noch während der Schwangerschaft starb der Mann & 1940 kam ein Sohn (meinen späteren Patenonkel) zur Welt.

1945 flüchteten meine Omi mit ihrer Schwestern & den beiden Kindern vor den Russen nach Freest, einem kleinen Fischerdörfchen, welches gegenüber von Peenemünde liegt. 

Der Peenestrom, welcher zwischen Freest & Peenemünde von Wolgast kommend fließt, endet bei Freest & mündet in den Greifswalder Bodden.

 

Informatives:

Gegenüber von Freest  lag die Heeresversuchsanstalt in Peenemünde,

wo Hitler die V1 Raketen bauen & testen ließ.  

Peenemünde war auch zu DDR Zeiten Sperrgebiet & die aus den unterirdischen Bunkern kommenden Startrampen wurden von der NVA (Nationale Volksarmee)

für die Starts ihrer Düsenjets benutzt.

 

Alle Vier kamen nach der Flucht bei einem Herrn unter, welchen ich später als Opa Trotz bezeichnete.

Opa Trotz war die Frau gestorben & die Kate, in der er lebte, bestand aus

2 Zimmern, Küche mit Waschgelegenheit, Flur & "Plupmsklo" auf dem Hof.

In einem der zwei Zimmer lebten die Vier & durften die Küche mit benutzen,

was nicht überall so war bei Familien die Flüchtlinge aufnahmen.

 

Oma & Schwester gingen im Hafen arbeiteten, wo sie den Fang der Fischer verarbeiteten & zum Räuchern vorbereiteten.

In der Baracke in der sie dies taten, war es im Winter besonders schlimm,

die Temperaturen waren meist eisig - genau wie der Fisch den sie putzten.

Meine Mutter & mein Patenonkel lernten in der Dorfschule.

 

1949 wurde die DDR gegründet.

1953 wurde mein Paps ein weiteres Familienmitglied. Er & mein Patenonkel schliefen auf dem Flur, auf alten Strohmatratzen, denn meine Mutter war mit mir schwanger & die Beiden sollen fürchterlich geschnarcht haben.

 

Mein Paps lernte zu diesem Zeitpunkt auf der Peene Werft in Wolgast Schiffbauer & meine Mutter bei der HO Verkäuferin.

Meine Eltern liefen nach Kröslin Richtung Wolgast & stiegen dort in die Schmalspurbahn um nach Wolgast zur Arbeit zu fahren.

 

Informatives :

Die gesamte Schmalspurbahn wurde Mitte 1945 als Reparationsleistung demontiert & auch vorhandene Lokomotiven gingen in die Sowjetunion.

Bis 1963 blieb das Teilstück von Kröslin bis Wolgast zur Personenbeförderung erhalten, danach wurde es noch zum Güterverkehr benutzt.

 

1968 wurden Szenen des DEFA Musikspielfilm´s "Heisser Sommer" auf dem Bahnteilstück von Kröslin in Richtung Wolgast gedreht.

Die Hauptdarsteller Chris Doerk & Frank Schöbel bewegten sich singend auf einer Draisine fort.

Ich selbst war als begeisterte 14 jährige Zuschauerin im Hafen & am Strand von Freest bei den Dreharbeiten zugegen. Gedreht wurde in den großen Sommerferien & es war temperaturmäßig ein wirklich heißer Sommer.

Mein Taschengeld ging mehrmals für Kinobesuche drauf um diesen Film zu sehen & später kaufte ich mir auch die LP (Langspielplatte) & sang kräftig mit.

 

Mein Leben beginnt :

1954 wurde ich in Koserow auf der Insel Usedom geboren.

Opa Trotz war derjenige, der über ein Jahr für mich Babysitter gespielt hatte, damit meine Oma & ihre Schwester Fische putzen & meine Eltern ihrer Lehre nachgehen konnten.

1955 zogen meine Eltern mit mir nach Wolgast in das neugebaute Wohngebiet um den Ernst - Thälmann - Platz um.

 

Meine Eltern brachten mich in eine Krippe/Kindergarten der Katholischen Kirche Wolgast in der August - Dähn - Straße unter. Mit mäßigem Erfolg. Ich war ein fürchterliches Schreikind & bald lehnten die Schwestern meine Betreuung ab.

 

Also war ich unter der Woche wieder in Freest bei Omi, Schwester, Patenonkel & Opa Trotz, der mich sehr mochte, weil seine Ehe kinderlos geblieben war,

wie meine Omi mir erzählte.

Oma & Schwester waren weiterhin mit der Fischverarbeitung beschäftigt. 

Dort lernte meine Omi, irgendwann, Ihren 2.Mann Hermann Holtz kennen - 

einen Fischer aus Spandowerhagen. Ein Dörfchen weiter Richtung Lubmin.

Sein Kutter hieß "Margarete" nach seiner 1.Frau, die in den 1930er Jahren verstorbenen war. 

 

1958 wurde mein Bruder geboren - ich kam wieder in den Katholischen Kindergarten, den ich bis zum Schulanfang besuchte.

1960 heiratete meine Omi ihren Fischer & zog in sein Haus in Spandowerhagen. Ich kam im gleichen  Jahr in die Schule & der "Ernst des Lebens" begann.

 

Bis zum Tod von Opa Trotz, Mitte der 1960er Jahre, besuchten wir ihn regelmäßig, denn meine Omi war ihm überaus dankbar für die Hilfe,

die er ihnen in den schweren Nachkriegsjahren zuteil werden ließ.

Ich kann mich an ihn selbst nicht erinnern - ABER an den großen ausladenden Birnbaum in seinem Hof, der so schmackhafte & saftige Früchte trug, wie ich sie nie wieder essen durfte.

Bis 1961 lebte die Schwester meiner Omi beim Opa Trotz. Kurz vor dem Mauerbau verließ die Schwester mit meinem Patenonkel bei Nacht & Nebel Freest & floh in den Westen. Mein Patenonkel betrat nie wieder DDR Boden,

weil er Angst davor hatte, als Flüchtling verhaftet zu werden.

 

Heute empfinde ich meine Kindheit & Jugend,

bei meiner Omi in dem kleinen Fischerdorf Spandowerhagen &

meinem Paps in der nahen Kreisstadt Wolgast, als glücklich & geborgen. 

Dies war aber ganz sicher, in Kindertagen, nicht immer so. 

Die Ferien verlebte ich vorwiegend bei meiner Omi.

*********************************************************************

Der Ernst - Thälmann - Platz in Wolgast

*********************************************************************

Schulzeit

1960er Jahre

 

Wie fast alle Kinder bin ich 10 Jahre in die Schule gegangen.

Es gab 8 & 10 Klassen Abgänger in der POS (Polytechnische Oberschule) &

in der gesonderten EOS (Erweiterte Oberschule) absolvierte man 12 Klassen.

 

Natürlich war ich auch Jungpionier & Thälmann Pionier  mit dem blauen & roten Halstuch & ab der 8 Klasse in der FDJ (Freie Deutsche Jugend).

1968 erhielt ich, wie fast alle aus meiner Klasse, die "Jugendweihe", nachdem wir eine gewisse Anzahl an "Jugendstunden" absolvierten. Leider konnten wir uns nicht davor drücken, denn sie waren für uns ein lästiges MUSS waren.

Wer nicht erschien wurde getadelt.

Die "Jugendweihe" war der sogenannte Einstieg ins Erwachsenenleben & meine Familie mit Gästen feierten diese Ereignis in der Gaststätte "Vier Jahreszeiten"

in Wolgast. Einige Jugendliche feierten statt der Jugendweihe Konfirmation für evangelische Christen.

In der Katholischen Kirche wurde die Kommunion bereits mit 9 Jahren begangen.

*********************************************************************

https://de.pinterest.com/pin/551902129314502644/

*********************************************************************

Foto : Privat

*********************************************************************

Ende 1969 Anfang 1970 fiel so viel Schnee, dass unser "Neubaugebiet" um den Ernst - Thälmann - Platz, vom Versorgungsnetz abgeschnitten war.

Wir wohnten in einem Eckhaus Parterre & ich kann mich erinnern, dass sich die Schneeverwehungen über unseren Wohnzimmer -, Badezimmer - & Küchen Fenstern auftürmten. Mein Paps & die anderen Männer im Haus gruben Tunnel zu den Straßen. Ob sie allerdings bis zur Peene Werft oder zu anderen Arbeitsstellen kamen, weiß ich nicht mehr.

Aber ich weiß noch, dass  HO Mitarbeiter mit ihren Kindern, darunter waren auch mein Bruder & ich, damals in der 10. Klasse, nebst Schlitten im Gänsemarsch Richtung Großbäckerei, die Richtung Wolgaster Tierpark/ Großernsthof lag,

los marschierten.

Endlich dort angekommen wurden unsere Schlitten mit Brot & Brötchen, Flaschenmilch, Butter, Käse uvm. beladen & gut mit Decken geschützt damit nichts einfror.

Der Tross setzte sich wieder Richtung Ernst-Thälmann-Platz in Bewegung.

Der Weg war sehr beschwerlich, vor allen wegen des hohen Schnee´s &

obwohl die Erwachsenen die Hauptlast zogen. Als wir endlich wieder auf dem Ernst-Thälmann-Platz ankamen, wurden die Lebensmittel verteilt & es ging ab nach Hause wo wir kaputt & durchnässt ankamen. Der Badeofen wurde angeheizt & einige Zeit später konnten wir uns im heißen Badewasser mit

ba-du-san Schaum wieder aufwärmen.

*********************************************************************

Die kleine Ladenstraße auf dem Ernst-Thälmann-Platz vor dem Wintereinbruch 1969

Foto : Privat

*********************************************************************

Ich kann mich, außer ein Mal, nicht daran erinnern, dass es lang anhaltende Engpässe bei der Versorgung der Bevölkerung gab.

Aber dieses eine Mal gab es als Beilage, 5 mal in der Woche,

ca. 8 Wochen lang, Nudeln statt Erdäpfel zum Schulessen.

 

Stellen Sie sich nur vor Rotkraut, Sauerkraut & Co. & zu Nudeln -

mein Gesicht können Sie sich sicher lebhaft vorstellen.

 

Soweit ich noch weiß, war die Kartoffelernte, wegen der Kartoffelfäule, sehr schlecht ausgefallen war. Damit die Bevölkerung aber genug kaufen konnte,

wurde in den Kantinen der Betriebe & Schulen, das Essen mit Nudeln serviert.

Seitdem bin ich, bis heute, kein Nudelfan mehr, obwohl ich damals Nudeln mit gebratenen Jagdwurstscheiben (auch Jägerschnitzel genannt) &

DDR !!! Tomatensoße geliebt habe.

*********************************************************************

Foto : Privat

*********************************************************************

Westbesuche

1960er Jahre

 

Ich kann mich sehr gut erinnern an die "Westbesuche" der, leider immer wiederkehrenden, ach so netten Verwandtschaft.

Sie haben nur geprotzt mit ihrem Auto - ihren Klamotten - ihrem Geld & wie großzügig es doch war, dass sie meinen Eltern eine Tüte Kaffee mitgebracht haben & uns Kindern eine Tafel Schokolade.

Sehr schnell habe ich gelernt, dass nicht alles Gold war, was aus dem ach so "goldenen Westen" kam.

Vor allem aber, dass es sehr viel Schein & sehr viel weniger Sein war.

Ganz bewusst wurde es mir zu meiner Jugendweihe 1968.

Seit dem habe ich diese Besuche gehasst.

Mein Paps, der nie in irgendeiner Partei war, hatte sich an den politischen Diskussionen, die immer vom Besuch ausgingen, nie beteiligt.

Auch er wusste was er hatte & den Westen jedenfalls brauchte er nicht.

Meiner Mutter dagegen, obwohl SED Mitglied, hofierte ihre Verwandtschaft in der Hoffnung am Ende des Besuches ein paar Westmark abzufassen.

All zu oft wurde sie enttäuscht.

 

Informatives :

Nach der Wende gab es im Fernsehen einen Werbespott von irgendeiner Bank, welcher mich sehr an diese Verwandtschaft erinnerte.

Der Akteur knallte seinem Freund Bilder vor die Nase mit den Worten :

"Mein Haus - mein Auto - meine Jacht" oder so ähnlich.

*********************************************************************

Lehrzeit & Arbeit

1970 bis 1972

 

 Nach den 10 Jahren Schule hatte ich von 1970 - 1972 bei der HO den Beruf eines Gebrauchswerbers (Dekorateur) erlernt. 

In dieser Zeit hatte ich auch intensiven Kontakt zur DDR Kosmetikwelt in meiner Heimatstadt & der anschließenden Insel Usedom

Wir hatten zwar kleine, privat geführte Parfümerien, aber in jedem größeren Ort gab es auch eine HO - Drogerie, mit einem ansehnlichen Kosmetiksortiment, deren Schaufenster damit bestückt wurden.

Wir hatten Parfüms in wunderschönen Flacons, allerdings kann ich mich nicht mehr an die Preise erinnern.

Aber noch schönere Flacons gab es in den privaten Parfümerien.

*********************************************************************

Dies änderte sich nach 1971 schlagartig & drastisch.

Nach der vollständigen Verstaatlichung, der bis dahin privaten Betriebe, setzten Erich Honecker & Co. überall den partei - politschen Rotstift an. 

 

Wir hatten zwar nie, wie heutzutage, von jeder Wurst 50 verschieden Sorten oder 30 Brotsorten (von denen 2/3 nach Ladenschluss auf dem Müll landen)

oder zig Sorten Käse - trotzdem mussten wir nicht hungern. 

Auch heute benötige ich persönlich diese übertriebene Vielfalt noch immer nicht.

 

Wir mussten zwar nach sehr vielen Sachen anstehen & laufen um etwas ganz Spezielles zu bekommen, dann auf überfüllte Busse & Straßenbahnen warten, Einkauf nach Hause schleppen, denn ein eigenes Auto war der pure Luxus &

im Schlepptau die Kinder.

Dies war zwar unangenehme Normalität - aber wir kannten es nicht anders.

*********************************************************************

 

https://de.pinterest.com

*********************************************************************

Informatives :

1956 fand in Wolgast die Gründung des Motorrennsport´s der BSG Motor Wolgast statt & dies als Betriebssportgemeinschaft der Wolgaster Peene-Werft.

1957, anlässlich der 700-Jahr-Feier der Stadt Wolgast, organisierte der Verein das 1.Motocross-Rennen & bereits 1958 wurde dieser Verein eigenständig.

 

Das jährlichen Rennen wurden immer auch zu einem Volksfest & wir Kollegen aus der Werbeabteilung mussten die Fress - Buden schmücken.

Als wir dies in der Zeit meiner Lehre wieder einmal taten, überflog uns ein Düsenjet im Tiefflug. Der Pilot war der Ehemann einer Arbeitskollegin & er hatte seine Frau gegrüßt, indem er den Jet 1x kurz nach links & rechts auf die Seite legte. Da er unter dem Radar flog, war er vom selbigen auch verschwunden - was ein erheblich großes berufliches Nachspiel hatte. 

*********************************************************************

https://de.wikipedia.org/wiki/Ziesaberg

*********************************************************************

http://lebensmittelpraxis.de/zentrale-management/906-marken-transfer.html

*********************************************************************

Damals war das Wort "Bückdichware" allseits präsent,

egal auf welchem Gebiet.

Eigentlich war das tägliche Leben wie eine "Tauschbörse", wo man die Ware allerdings bezahlen musste & nicht nur tauschen.

"Hast du was für mich, dann hab ich was für dich?!"

 

ABER wir hatten Arbeit & Frieden & damit soziale Sicherheit.

Wir hatten so viel Arbeit, dass wir zum 31. kündigen konnten,

um am folgenden 1. eine neue Arbeit zu beginnen.

 

Wir Frauen waren unseren Männern ebenbürtig.

Wir waren nicht gezwungen unsere Männer zu fragen,

wie es die Frauen im Westen noch in den 1970er Jahren tun mußten,

ob wir arbeiten gehen dürfen, um unser eigenes Geld zu verdienen.

Und ob Frau oder Mann - für die gleiche Arbeit gab es das gleiche Geld.

 

Informatives :

Wir brauchten in der DDR zu keiner Zeit eine "Frauenquote"-

über die noch heute in diesem Staat diskutiert wird.

Was für ein Armutszeugnis !!!

*********************************************************************

Private und berufliche Umzüge

1972 bis 1975

 

Im August 1972 beendete ich meine Lehrausbildung & begann ohne Pause meine Arbeit als Dekorateur. Während meiner Ausbildung lernte ich meinen späteren Mann kennen, der als Zeitsoldat in Wolgast stationiert war.

 

Wie Sie sicher bemerkt haben, hatte ich zu meiner Mutter kein besonders inniges Verhältnis, zumal dieses noch mehr belastet wurde, nachdem sie mir die Lehrstelle zum Dekorateur beschafft hatte, als Chefin der Berufsausbildung.

Ich hatte schon einen Lehrvertrag zur Technischen Zeichnerin auf der Peene-Werft in der Tasche als das Angebot von ihr kam.

Durch ihren intensiven, aus heutiger Sicht, unangemessenen Druck, hatte ich damals das Gefühl ihr Angebot annehmen zu müssen.

Sie hatte mich sozusagen in der Hand & verlangte Höchstleistungen von mir,

die ich nicht gewillt war, in dem Maße, zu erbringen, wie sie es wollte.

Mein Paps stand mir in sehr vielen Sachen bei - aber wir hatten keine Chance.

Sie hatte die Hosen an & schon während meiner Ausbildung reifte in mir Entschluss, dass ich so schnell wie nur möglich nach meinem Abschluss Wolgast den Rücken kehren würde.

Durch Zufall bekam ich Anfang 1973, durch meinen damaligen Chef, den Tipp, dass in Senftenberg im Mai eine Stelle neu besetzt werden sollte.

Er war mit meiner Arbeit zufrieden, aber meiner Mutter nicht sehr wohlgesonnen.

Er hatte stets mit ihr zu tun, wenn es um Lehrlinge ging.

Oft musste ich es zu Hause ausbaden, wenn sie wieder mal ihr Ziel bei meinem Chef nicht erreicht hatte & ich ihr auch nicht als Zuträger zur Verfügung stand, was in der Abteilung alles geschah & geredet wurde.

Da ich volljährig war packte ich, Ende April, meine 7 Sachen & kehrte Wolgast den Rücken - auf zu neuen Ufern in diesem Fall Senftenberg.

Mein Freund beendete ebenfalls im April seine Dienstzeit & ging zurück nach Hause ins Erzgebirge in das Städtchen Aue & arbeitete dort als Hauer Untertage bei der Wismut.

 

In Wolgast war ich fast nie krank, weil wir

*** 1. eine sehr saubere Luft & Umwelt mit wenig Industrie hatten &

*** 2. war tägliches morgendliches kaltes Duschen angesagt -

egal zu welcher Jahreszeit. Meine Mutter bestand darauf &

kontrollierte uns Kinder.

 

In Senftenberg aber war ich das 1. Mal schon nach einer Woche krank -

die Luft dort war vom nahen Braunkohle Abbau so schmutzig, dass ich überhaupt nicht verstand wie man dort leben konnte.

Ich hatte einmal weiße Bettwäschen zum Trocknen nach draußen in den Hof gehängt, als ich nachmittags von der Arbeit kam, war sie so verdreckt, dass ich sie nochmals spülen musste . 

Mein Freund beendete den Abstecher in die Lausitz in dem er mir einen Heiratsantrag machte & wir ein Kind zeugten. 

1974 im April kam mein 1. Kind in Schlema zur Welt.

 

1975 zogen wir zum 1. Geburtstag nach Gera - Lusan um. Wir hatten zwar eine tolle Neubauwohnung in der Birkenstraße mit Einbauküche, Telefon & Fernwärme für 79 Mark, aber so gut wie kein Mobiliar.

Frohen Mutes fuhren wir in die Geraer Innenstadt ins Möbelhaus am Puschkinplatz, voller Hoffnung eine Schrankwand kaufen zu können.

Die Hoffnung verschwand wie ein Eiswürfel im heißen Wasser.

Die Wartezeit für eine schlichte Schrankwand aus dem nahen Eisenberg,

mit braunen Seitenwänden & weißen Fächer - & Schubladentüren,

betrug ein dreiviertel Jahr. 

Die Lieferung der rustikalen Variante mit, damals, modern vorstehenden Unterteilen, hatte noch ein halbes Jahr länger gedauert.

Da wir keine "Bückdichware" zu bieten hatten, welcher Art auch immer,

ging es auch nicht einen Tick schneller.

Aber damit standen wir nicht alleine & wir haben in dieser Zeit zu Dritt aus den Umzugskartons gelebt.

 

Das DDR Fernsehen bestand zu dieser Zeit aus einem Programm.

Lebhaft kann ich mich an den "Schwarzen Kanal" erinnern, wo der ehemalige "Westberliner" Karl-Eduard von Schnitzler gegen den Westen gewettert hatte.

 

Was damals aber keiner wissen oder bemerken durfte waren unsere mobilen Kupferantenne auf dem Balkon, mit der wir heimlich & in unglaublich schlechter Qualität trotzdem Westfernsehen verschlungen hatten.

Hauptsächlich ARD - was bei uns unter der Hand nur "Außer Raum Dresden" genannt wurde.

Die Stasi-Laufburschen waren des öfteren unterwegs & haben die Balkons augenscheinlich unter die Lupe genommen, um verbotene Antennen zu lokalisieren.

Aber so blöd waren wir dann ja doch nicht. Um uns nicht zu verraten haben wir diese natürlich am Tag flach auf den Boden gelegt.

Das Westprogramm war für uns natürlich viel interessanter.

Bei uns waren die meistens Filme mit parteipolitischen Parolen gespickt & kritisch angelegte Filme wie "Spur der Steine" wurden nur einmal gezeigt & verschwanden dann in der Versenkung.

Ich kann  mich auch an den Film "Ursula" erinnern. Die einmalige Zusammenarbeit zwischen der Schweiz & der DDR wurde 1978 zwar gedreht, aber erst in den 1980er Jahren einmal im DDR Fernsehen gezeigt.

So einen freizügigen, intimen Film hatten & sollten wir in der DDR nie wieder zu sehen bekommen.

 

Was mich aber am meisten erschütterte waren die Nachrichten aus dem Westen.

Arbeitslosigkeit - Mord & Totschlag - das gegenseitige Beschimpfen der Regierungsmitglieder - das Kompetenzgerangel - die Anschläge der RAF - Korruption u.v.m. -  das alles fand ich einfach nur unwürdig.

Das schlimmste aber war, wenn berichtet wurde, das irgendwo wieder wochenlang ein Toter in seiner Wohnung lag, ohne dass jemand davon etwas gemerkt haben will. So etwas  konnte ich damals nicht verstehen.

Die Ignoranz seinen Mitmenschen gegenüber war & ist, bis heute, mir persönlich völlig fremd & unverständlich.

*********************************************************************

Was ich durch Zufall erfuhr

Mitte der 1970er

 

In der Schule bekamen wir in regelmäßigen Abständen, vor allem in den Fächern Staatsbürgerkunde & Geschichte, zu hören, dass unsere russischen Befreier unsere Freunde & Brüder waren. Ihnen verdankten, dass wir in Frieden & Sozialismus leben durften.

Wir erfuhren, was die Nazis den Menschen in den Konzentrationslagern &

auf ihren Kriegsmärschen antaten - egal in welches Land sie auch unrechtmäßig einmarschierten um ihrem Ziel, dem "Tausendjährigen Reich", näher zu kommen.

 

Was Menschen mit Verstand anderen Menschen, die sie zu Untermenschen deklarierten, an Grausamkeiten antaten, ist nicht menschlich.

Selbst die Tierwelt verhält sich sozialer.

 

Interessant zu hören war auch, dass durch die Nürnberger Prozesse einige Nazis entlarvt & verurteilt wurden - aber im Westen Deutschlands viele Nazis im Staats - & Gemeindewesen ihren Dienst ungeschoren taten. 

 

Was wir nicht zu hören bekamen war, dass es während der Befreiung von der Naziherrschaft durch russische Generäle & Soldaten zu brutalen Gewaltexzessen kam, in Form von Vergewaltigung, Plünderung, Raub, Mord & Totschlag. Diese Tatsachen wurden einfach unter den Teppich gekehrt &

waren nicht in unseren Schulbüchern zu lesen.

 

In den 1970er Jahren war ich mit einem Bergmann verheiratet, der im Uranbergwerk unter Tage in Beerwalde/Thüringen bei der "SDAG Wismut" arbeitete. Er erzählte mir, dass das meiste Uran in die Sowjetunion abtransportiert wurde & dies als Reparationszahlung gewertet wurde.

Ich solle aber mit niemanden darüber reden.

Damals hörte ich das 1. Mal bewusst den Ausdruck "Reparationszahlung".

Aber es durfte scheinbar eine öffentliche Diskussion über Reparationen nicht stattfinden, weil damit die Beziehungen zur Sowjetunion beschädigt würden &

die Bevölkerung weit mehr über die wirtschaftliche Situation in unserem Land nachdachten als der Regierung lieb gewesen wäre.

 

Wikipedia schreibt u.a. dazu unter :

https://de.wikipedia.org/wiki/Reparationen

"Als die Reparationen 1953 für beendet erklärt wurden, hatte die

SowjetischeBesatzungsZone - die DDR die höchsten im 20. Jahrhundert bekanntgewordenen Reparationsleistungen erbracht.

Die Reparationen der DDR betrugen insgesamt

*** 99,1 Mrd. DM (zu Preisen von 1953)

die der Bundesrepublik Deutschland demgegenüber

*** 2,1 Mrd. DM (zu Preisen von 1953).

Die DDR/SBZ trug damit 97 – 98 % der Reparationslast Gesamtdeutschlands – pro Person also das 130-fache."

 

Zwar waren die Reparationszahlungen 1953  für beendet erklärt, aber die DDR Bürger haben, meiner Meinung nach, weiterhin bezahlt - siehe Uran. 

Ich persönlich denke, dass dies auf allen Gebieten unserer Wirtschaft so Uso war, denn wir habe Produkte von Qualität produziert, die sehr viele Jahre hielten.

 

Und das nicht nur in die Sowjetunion, sondern für wenige Devisen wurden qualitativ hochwertige Güter auch in den Westen verschleudert,

die sich dann als Angebote in den Katalogen von

Quelle - Neckermann & Co. wiederfanden. Wie z.B.

*** Komet Küchenmaschinen aus Suhl -

*** Strumpfhosen aus Thalheim  & auch

*** Schrankwände aus Eisenberg.

 

Informatives :

Strumpfhosen von "Esda" kosteten bei uns 18 Mark - im Westen 99 Pfg.

Wir haben sie zum Reparieren in einen Dienstleistungsstützpunkt gebracht & drüben wurden sie weggeschmissen, laut Westbesuch.

Das Holz aus unseren Wäldern wurde in die Richtungen Ost & West verbracht.

Fisch, Fleisch usw. ebenfalls.

Diese Liste kann man fast ohne Ende verlängern - mit dem Resultat,

dass wir DDR Bürger laufen  - suchen - anstehen mussten,

weil nicht genug für alle da war.

 

Unser Land war gezwungen billig zu verkaufen & teuer einzukaufen.

*********************************************************************

Renaturierte Reuster Halden zur Buga´07 Gera und Ronneburg

*********************************************************************

Ein „Exquisites“ Intermezzo in Gera

1980 bis 1982

 

Bei Wikipedia steht folgendes:

„Exquisit-Läden waren Bekleidungsgeschäfte in der DDR mit einem –

verglichen mit den normalen HO- und Konsum-Läden – hochpreisigen Angebot von Bekleidung und Kosmetika. Die Exquisit-Läden wurden seit 1962 auf Beschluss des Ministerrates geschaffen und 1966 durch die Delikatläden ergänzt. Beide Handelsketten sollten den „gehobenen Bedarf“ abdecken. Die Bürger der DDR sollten die Möglichkeit haben, auch ohne Westgeld Luxusartikel zu erwerben. Für den DDR-Bürger waren die Modeartikel jedoch oft finanziell unerreichbar. Die Preise wurden nicht allein vom Hersteller selbst bestimmt, auch eine Kommission, bestehend aus Verkäufern und Filialleitern, hatte Mitspracherecht. Im Gegensatz dazu produzierten die volkseigenen Konfektionsbetriebe vorwiegend schlecht verkäufliche, allgemein als nicht modisch angesehene Kleidungsartikel. Neben wenig ansprechenden, altmodischen Mustern kamen häufig auch qualitativ schlechte Materialien zum Einsatz. Im Volk machten sich schnell Gerüchte breit, die Exquisitwaren seien billige westliche Massenprodukte, die überteuert auf den ostdeutschen Markt gebracht würden. Davon zeugte im Volksmund der Spottname „Uwubus“ steht für „Ulbrichts Wucherbuden“. Allerdings achtete man bei der Exquisitware tatsächlich bewusst auf Qualität. Es gab allein 30 Modedesigner, die für jede Saison eine Kollektion entwarfen und zur Leipziger Messe vorstellten. Die Stückzahlen waren klein: Von einem Modell entstanden im Durchschnitt 300 Stück. Die Mustermodelle wurden strengen Tests auf Tragfähigkeit, Sitz und Passform unterworfen, bevor sie ans Band gingen. Die dafür verwendeten Stoffe kamen mehrheitlich aus westlichen Ländern wie Österreich, Italien, Frankreich und Japan.“

 

Von 1980 bis 1982 „durfte“ ich im „Exquisit“ Gera arbeiten. Bis heute habe ich keine Ahnung warum. Ich wurde delegiert obwohl ich nie einer Partei angehörte.

 

Dieses moderne Geschäft lag im Zentrum von Gera und war bestückt mit aktueller Mode, Parfum und Schmuck wie z.B. Schmuck aus Sandelholz.

Ich erinnere mich, dass dieser Duft so präsent war, dass mir übel wurde, kam ich der kleinen Abteilung auch nur näher wie 2 Meter.

Noch heute gehört dieser Duft nicht zu meinen Lieblingen.

 

Das Geschäft war räumlich großzügig geschnitten und die Exquisit Mode wurde auf 2 Etagen präsentiert. Auf der oberen Etage wurden die Herren eingekleidet,

die untere – größere - Etage war der Weiblichkeit vorbehalten.

Von Oberbekleidung bis hin zu sehr reizvoller Unterwäsche blieb kein

exquisiter Herzenswunsch offen.

Aber diese tollen Kleidungsstücke waren nicht für die „normale werktätige Verkäuferin“ mit einem 420 DDR Mark Monatseinkommen gedacht.

Weil ich dort arbeiten durfte, betrug mein Lohn 620 Mark, davon waren 20 Mark für den Friseurbesuch, laut Arbeitsvertrag.

 

Im Internet  fand ich für das Jahr 1980 ein Durchschnittseinkommen von

1,021 DDR Mark. Wir Verkäuferinnen gehörten jedenfalls nicht zu diesen Spitzenverdienern.

 

Die wohl gefragteste Miniabteilung, die in unserem „EX“ integriert war, war die mit den französischen Düften und Mann/Frau höre und staune

hochwertiger DDR Kosmetik.

Dazu gehörte übrigens auch die Herren Serie aus dem Jahr 1979 „Wild River“.

Ich muss gestehen ich kann mich nicht mehr an den Preis erinnern –

aber heute wird ein Rasierschaum dieser Marke in einem Auktionshaus für fast

!!! 70 € !!! angeboten. Es lässt sich gut Geschäfte machen mit ehemaligen DDR Marken.

 

Aber zurück zu den Düften. Von jedem Duft war eine Probeflasche,

heute Tester genannt, vorhanden. Obwohl nicht erlaubt, habe ich, wie auch alle anderen Kolleginnen, das Parfum privat aufgetragen, denn, eigentlich, es sollte ausschließlich der Kundin ein Spritzer auf das Handgelenk aufgetragen werden.

Teststreifen gab es bei uns nicht – jedenfalls nicht zu meiner Zeit.

Aber während des laufenden Geschäfts konnte die Chefin nicht mitbekommen, ob ich unerlaubt Parfum benutzt hatte.

Wenn ich die Hand einer Dame nahm um ihr Handgelenk zu beduften,

konnte doch wie ganz von allein auch Duft auf mich übergehen. Oder?

Dort habe ich mich auch in ein Parfum verliebt: es war das Parfum von

Guy Laroche „j´ai Osé“.

Dieser Duft war damals, für mich, DER Hammer – heute ist er leider nur noch ein Abklatsch des Originals. Ich war immer hin und weg, wenn ich an meinem Handgelenk schnupperte. Aber für das Sofort kaufen – unerschwinglich.

Wenn ich mich nicht irre, hatte dieser Flakon den stolzen Preis von 150 Mark.

Nach 5 Jahren eisernem sparen und einem Zuschuss von meiner geliebten Omi,

habe ich mir einen Flakon geleistet, sehr selten benutzt, oft dran geschnuppert und selbst die leere Flasche mit Box noch jahrelang aufgehoben.

 

Im Intershop konnte man mit Westmark später mit Forumschecks Parfum kaufen.

Auch Russisches Parfum gab es. Dabei erinnere ich mich an schweres, sehr süßliches Parfum. Russische Mitbürgerinnen erkannte ich zuerst am Duft, dann an der Schminke, dann am Pelz und erst dann an der Sprache.

Ob es bei uns auch ungarisches, polnisches oder tschechisches Parfum gab,

ist mir nicht bekannt – außer Rosenduft in Phiolen in gedrechselten, runden, bunt bemalten Holzdöschen mit Zwiebeltop.

 

Bei Wikipedia steht außerdem:

Nach der Wende zeigte sich schnell, dass die Exquisit-Betriebe mit ihren „soliden Angeboten auf dem mittleren Preisniveau“ zu unerfahren waren, um auf dem Modemarkt zu bestehen. Es überlebten nur die Kreativen des Unternehmens, die nun an Kunsthochschulen lehrten, als Designer in Modefirmen oder Gründer eigener Marken. Die Ladengeschäfte in überwiegend sehr guten Innenstadtlagen wurden schnell von westdeutschen Einzelhandelsketten übernommen.

*********************************************************************

Neben dem "Exquisit" gab es den Laden mit dem Namen "Der Gedeckte Tisch".

Wie der Name schon sagt, gab es dort alles was Frau benötigte um ein ansprechendes Ambiente auf dem Esstisch zu zaubern.

Besser gesagt "sollte" es geben.

Aber auch hier schlug die geplante Mangelwirtschaft zu, wie überall.

Das begehrte Lauschaer Glas & das Zwiebelmustergeschirr aus Kahla gehörten definitiv zur "Bückdichware".

Wenn sich die Kollegen aus dem GHG (Großhandelsgesellschaft) für

Hinz & Kunz mit den Raritäten eingedeckt hatten & noch etwas übrig blieb gingen diese in den "Gedeckten Tisch".

Wir kannten die Wünsche der Kolleginnen von nebenan & sie kannten unsere. Wenn wir also zum Mittagstisch gingen, führte uns erst der Weg zu ihnen & schon war das nächste Stück Glas oder Porzellan gesichert.

Im übrigen bekam die Bevölkerung nur die 2. Wahl zu kaufen,

die 1. Wahl war für den Export bestimmt.

*********************************************************************

http://www.spiegel.de/fotostrecke/schaufensterbummel-in-der-ddr-fotografien-von-siegfried-wittenburg-fotostrecke-109367-31.html

*********************************************************************

Das Pendant zum "Klamotten Ex" waren "Delikatläden" oder auch bösartig als

"Fress Ex" bezeichnet. Den 1. Laden gab es schon 1966.

Ab 1978 wurde mindestens 1 Laden in jeder größeren Bezirks- oder auch in einigen Kreisstädten eröffnet.

Hier konnte dann jeder, der die Delikatessen bezahlen konnte, einkaufen.

Darunter waren auch Produkte die eigentlich für den Export bestimmt,

aber von höherer Stelle beanstandet wurden. Darunter waren auch Gestattungsproduktionen.

Der wesentlich höhere Preis & die Verpackung täuschten aber, all zu oft, eine hohe Qualität vor.

An folgende Artikel können sich mein Mann & ich erinnern :

*** Südfrüchte in Dosen & Fruchtsäfte

*** Pralinen & Schokolade  

*** Wein - Sekt & Hochprozentiges 

*** Muscheln - Tintenfisch & Weinbergschnecken u.v.m.

*********************************************************************

http://www.spiegel.de/fotostrecke/schaufensterbummel-in-der-ddr-fotografien-von-siegfried-wittenburg-fotostrecke-109367-10.html

*********************************************************************

Bordsteinschwalben

 

Offiziell gab es in der DDR keine Bordelle. Inoffiziell war es aber kein Geheimnis.

Trotzdem gab es sie, die Bordsteinschwalben, vor allem zur "Leipziger Messe".

Wir wussten genau zur Frühjahrs- & Herbstmesse, was auf uns zu kam, denn diverse Damen besuchten unseren Ex, in Begleitung von gut betuchten Herren, die, als Geck &  Macho, ihr Geld sehr gut zur Schau stellen konnten.

Zu diesen Zeiten hatten wir immer einen sehr guten Umsatz.

 

Zu diesen Messen stiegen im "Interhotel" & im "Hotel Schwarzer Bär" in der Bärengasse sehr viele Gäste aus dem kapitalistischen Ausland ab.

Der Portier dieses Hotels soll, laut damaligem Gerücht, des öfteren für diese Herren, ganz legitim, einen "Begleitservice" angefordert haben.

 

Ja ja, zu Hause das Heimchen am Herd & zur Messe die S.. raus lassen.

 

Ende der 1970er Jahre musste das "Hotel Schwarzer Bär", sowie viele andere 

im historischen Stadtkern Geras beheimateten Gebäude, dem Bauvorhaben

"Haus der Kultur" (Eröffnung 10/1981) weichen.

Ein Stück Kulturgeschichte wurde leider unwiederbringlich vernichtet.

*********************************************************************

*********************************************************************

Die 1.Begegnung mit der Stasi

1982

 

Nachfolgende Begebenheiten, die im Vorfeld meinen Paps betrafen,

habe ich erst 1992 von ihm persönlich erfahren.

 

1982 sind meine Eltern & Omi, geboren 1911, von Wolgast nach Berlin gefahren, um sich mit meiner Familie, aus Gera kommend, auf dem Parkplatz vor dem "Palast der Republik" zu treffen.

Wir wollten mein Großtantchen,1905 geboren, am Grenzübergang abholen

um für ein paar Stunden zusammen zu sein.

 

Was im Vorfeld geschah

Meine Mutter hatte, als 300 %iges Parteimitglied, ihrem Parteisekretär der HO Wolgast mitgeteilt, dass sie ihre in Westberlin wohnende Tante in Ostberlin, gemeinsam mit meiner Omi & meinem Paps, treffen wollte.

Da meine Mutter Chefin der Berufsausbildung & stellvertretende Personalchefin war, wurde dieses Ansinnen an die SED Kreisleitung & die wiederum gab es an die Staatssicherheit weiter. Die ganze Prozedur zog sich über Wochen hin bis die Einwilligung ausgesprochen wurde.

 

Inzwischen wurde auch mein Paps gründlich durchleuchtet, denn mein Paps war Geheimnisträger. Er arbeitete von 1953 bis 1989 auf der in Wolgast ansässigen 

"Peene Werft" als Schiffbauer.

Schon Anfang der 1970er Jahre wurde für Erich Honecker die Staatsyacht "Ostseeland" auf der "Peene Werft" gebaut. Auch mein Paps war dabei.

Aber vor allem wurden Kriegsschiffe für die Sowjetunion entworfen, gebaut & gewartet. 1982 arbeitete mein Paps schon einige Zeit auf dem Schnürboden der Werft mit streng geheimen Unterlagen, die sonst im Stahltresor lagen, zu dem er jeder Zeit Zugang hatte, da er die Schlüsselgewalt innehatte.

 

Informatives :

Ein Schnürboden ist ein großer Raum mit einem vollkommen ebenen Boden,

auf dem das Schiff in Originalgröße aufgezeichnet wurde.

 

Die Stasi nahm meinen Paps mehrmals, wegen des Antrages meiner Mutter,

in die Mangel, mit immer den gleichen Fragen & Litanei.

Sie hatten aber keinen Grund meinem Paps zu misstrauen & auch ihm wurde erlaubt nach Berlin zu reisen, mit der Maßgabe, mein Großtantchen unter keinen Umständen zu sehen.

 

Endlich war es soweit für die Drei. Alles konnte geplant & die Eintagesreise angetreten werden.

Ich hatte niemandem Rechenschaft abzulegen - ich war in keiner Partei &

habe kurzfristig meinen Haushaltstag genommen.

 

Nach der 1. Umarmung mit meinem Paps auf dem Berliner Parkplatz kam der Satz : "Ich gehe jetzt mit meinen beiden Schatten in den Tierpark." 

Und weg war er.

Tatsächlich folgten ihm 2 Männer, die ihnen schon seit Wolgast zu dritt folgten. Und nicht nur ihm. Auch meiner Mutter, Omi, ihrer Schwester &

meiner Familie folgte einer z.B.

*** zum Grenzübergang -

*** zum Kaffee trinken in einem Hotel -

*** zum Mittagessen im "Palast der Republik" & wieder zurück

*** zum Grenzübergang usw.

Nachdem der uns folgende Stasi Mitarbeiter im Palast der Republik nur seinen Ausweis zückte um einen Platz zu ergattern, war meine Mutter die restliche Zeit nur am Meckern über den Typen. 

1. kannte sie alle Drei durch ihre Position bei der HO. &

2. konnte sie gar nicht begreifen, dass die Stasi auch sie als Parteimitglied überwachte. 

Sie folgten uns auf Schritt Tritt bis wir uns zur verabredeten Zeit alle, ohne mein Tantchen, auf dem Parkplatz zur Abfahrt wieder trafen.

Meinem Vati folgte einer sogar auf die Tierparktoilette.

Dies war die 1. Erfahrung mit der Stasi & ich frage mich noch heute manchmal was wir meinem 77 jährigen Großtantchen für Geheimnisse hätten erzählen können, denn was die Arbeit meines Paps betraf, war er immer ein überaus schweigsamer Mann?

 

Dieser Besuch in Berlin hatte danach für uns in Gera Konsequenzen,

die ich sehr lange für technische Störungen hielt.

*********************************************************************

in memorian

mein geliebter Paps

Werner Jürgens

* 20. Mai 1929 - † 3. Mai 2013

*********************************************************************

http://www.aktivimnorden.de/detail/news/auf-neuem-kurs

*********************************************************************

Die 2.Begegnung mit der Stasi

1985

 

Übrigens waren mein Großtantchen & meine Omi die Grundsteinlegerinnen

für meine Parfüm - Miniaturen - Sammlung.

 

Zu sehen unter :

https://www.seeteufelchen.info

 

In die "Westpakete" an meine Omi, legte Großtantchen, für eine gewisse Zeit,

die aktuellsten Parfüme in Miniaturform. Da war ich um die 10 Jahre alt.

Weder Omi noch meine Mutter wollten diese Miniaturen, denn ihrer beider Favorit war "Tosca" von 4711.

Natürlich hatte ich mich immer brav für die schönen Fläschchen bedankt beim Tantchen & da sie keine eigenen lebenden Kinder hatte & ich schon immer gerne geschrieben hatte, entwickelte sich ein Briefwechsel.

Bis eines Tages die Frage kam, wie mir das letzte Fläschchen gefiel ?

Diese Frage konnten aber weder meine Omi noch ich beantworten, denn es war keine Flasche im Paket. Meine Omi war schon lange der Meinung, dass die Pakete geöffnet wurden, denn es fehlte wohl schon des öfteren etwas.

 

Wie schon geschrieben hatte wir einen Telefonanschluss & was lag näher diesen auch für Anrufe nach Westberlin zu benutzen.

Die Verbindungen waren zumeist nicht sehr gut, ich dachte mir aber nichts dabei, denn es war immer schön mit Tantchen zu reden, da sie ja alleine lebte &

schon Ende 70 war.

Meine Omi erzählte mir einmal, dass sich um ihre Schwester ein Familiengeheimnis rankte. In sehr jungen Jahren war Großtantchen in Stellung bei einem Bruder ihres Vaters, also einem Onkel. Dieser verging sich an ihr &

sie wurde schwanger. Der Onkel warf sie aus dem Haus, als Tantchen die Schwangerschaft nicht mehr verstecken konnte.

Sie bekam eine Jungen der aber nach nicht all zu langer Zeit an Typhus starb. Die Schwangerschaft war so geheim, dass nur meine Omi & noch eine Schwester, von insgesamt 12 Geschwistern, davon wussten.

Mein Großtantchen litt so sehr darunter, dass sie sich wohl nie wieder mit einem Mann einließ & bis an ihr Lebensende 2007 alleine blieb.

 

Irgendwann fiel mir auf, dass es bei Anrufen mit Großtantchen & meinen Eltern, egal ob bei eingehenden oder ausgehenden Gesprächen, immer öfter knackte - aber ich dachte immer noch nicht weiter darüber nach, es war nur lästig.

 

1985 bekam ich mein 2. Kind & nachdem ich eine Woche mit dem Kind zu Hause war, klingelte es bei uns an der Wohnungstür in der 4. Etage.

Damals wurden bei uns am Tag die Haustüren nicht angeschlossen & Sprechanlagen gab es auch nicht.

Also öffnete ich die Tür & ein Herr mit Aktentaschen stand so dicht vor mir,

dass er einen Fuß schon auf der Türschwelle hatte.

Ich wich erschrocken zurück, fasste mich aber schnell & fragte was er wolle.

Er zückte & steckte so schnell einen Ausweis weg, dass ich diesen gar nicht lesen konnte, antwortete mir höflich, aber mit kalten Augen & eindringlichen Blick, es ginge um meinen Schwager. Und dann stand er schon im Flur,

ich wich noch ein Stück zurück vor Entsetzen & er schloss die Tür.

 

Ich war völlig verunsichert & irritiert. Ganz unverholen schaute er in die Küche, schlenderte er durch das Wohnzimmer mit Essecke, schaute in die Wiege zu meinem schlafenden Kind & betrat ohne mein Einverständnis einzuholen sogar das Kinderzimmer. Zum Glück war meine Tochter in der Schule.

 

So ganz nebenbei sprach er über meinen Neugeborenen als wäre er bei der Geburt dabei gewesen - er wusste ALLES.

Geburtsdatum & Uhrzeit, Gewicht & Größe, dass die Geburt sehr schnell vonstatten ging & wann ich aus der Klinik entlassen wurde.

Ich war mehr als sprachlos - ich war schockiert.

 

Dann setzte er sich unaufgefordert & legte eine Akte auf den Esstisch.

Um das Ganze abzukürzen, er forderte mich auf die Telefonate mit der Tante in Westberlin zu unterlassen & den Briefverkehr mit ihr einzustellen. Als Grund gab er an, mein Schwager von der Staatssicherheit rekrutiert werden wollte oder sollte & solche Verwandtschaft wäre nicht zuträglich für seinen Werdegang.

 

Bedenken Sie bitte mein Großtanchen war da schon 80 Jahre alt.

Politik war kein Thema, als Geheimnisträger war ich auch nicht eingestuft.

Was also hatte der zukünftige Beruf meines Schwagers mit mir zu tun?

 

Als er dann fragte ob ich seiner Anweisung nachkommen würde,

wurde ich mutig oder besser gesagt trotzig & wegen seines unverschämten Auftretens sagte ich : NEIN.

Er stand auf, nahm die Akte vom Tisch, seine Tasche &

ging ohne Gruß.

Endlich war er verschwunden. Mir fiel ein Stein vom Herzen. 

Erst als er die Wohnung mit Türen knallen verlassen hatte,

fiel mir mit Entsetzen ein, was ich mir mit meinem rigorosen "NEIN"

vielleicht eingebockt hatte.

Aber ich wollte mir von so einem "Schnösel" nicht vorschreiben lassen mit wem ich zu telefonieren hatte.

Erst in den nachfolgenden Stunden begriff ich endlich, was das Knacken beim Telefonieren zu bedeuten hatte.

Trotz des abscheulichen Besuches rief noch am gleichen Abend mein Großtantchen an ohne den Besuch zu erwähnen.

Die Rebellin in mir war erwacht.

 

So arbeitete die Stasi also mit -

Einschüchterung - Verunsicherung - Anweisung - Befehle.

Im Nachhinein denke ich, bin ich noch milde davon gekommen oder

ich war noch nicht rebellisch genug um weggesperrt zu werden -

wie es zu vielen Andersdenkenden & offen Aufmüpfigen ergangen ist.

*********************************************************************

http://www.planet-wissen.de/geschichte/ddr/das_leben_in_der_ddr/pwiediestasi100.html

 

in memoriam

Der grandiose Schauspieler

Ulrich Mühe

* 20. Mai 1929 - † 3. Mai 2013

 

in dem Spielfilm aus dem Jahr 2007 "Das Leben der Anderen"

als Abhörspezialist "Hauptmann Gerd Wiesler"

*********************************************************************

ab 1985

 

Wie schon geschrieben wurde das zweite, heute sogenannte Sandwichkind,

im April 1985 & mein Jüngstes im November 1986 geboren.

Schon 1987 im Februar zog die inzwischen 5 köpfige Familie nach Gera-Langenberg in eine Altbauwohnung, was der Wismut Arbeit meines Mannes geschuldet war.  

Drei Räume(2 Kinderzimmer & das Wohnzimmer) waren mit Ofenheizung, das Schlafzimmer hatten keine Heizung & das Badezimmer wurde mittels Durchlauferhitzer mit Warmwasser versorgt.

Unsere Wohnungssituation hatte sich zwar verschlechtert, durch die Ofenheizung - aber das Leben mit zwei Kleinstkindern &

einer schon pubertierenden Jugendlichen plus einem Drei - Schichtarbeiter,

war in der Lusaner Wohnung nicht so prickelnd.

 

Nach dem Babyjahr meines Jüngsten arbeitete ich ab 1988 im Langenberger Kindergarten als Helferin.

*********************************************************************

Es folgt der 2. Teil "Heimatlos" auf der nächsten Seite

 

ENDE

Ich bedanke mich herzlich für Ihr Interesse !

*********************************************************************