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Diese Seite

stellt meine ganz privaten Ansichten dar.

 

2017

Erinnerungen

 

an meine Heimat und mein Leben in der DDR bis 1989

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Gefunden auf :

*** http://www.altes-wolgast.de/altes-wolgast.de/category/postkarte-hafen/

*** http://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Usedom/Kultur/Stadt-will-

              Schlossinsel-erschliessen

*** http://www.ebay.de/itm/WOLGAST-Stadt-und-Schloss-bei-Thomas-

              Wiering-Holzschnitt-1676-/152068936748

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Wolgaster Stadtwappen

Die Stadt Wolgast wird durch seine Lage auch "Tor zur Insel Usedom" genannt.

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1956 Karte oben

links oben Dreilindengrund

rechts mitte Schloßinsel

 

Karte unten

Schloßinsel - Brücke - Insel Usedom

Karten : Privat

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1940/50er Jahre

 

Die Vorgeschichte :

1930 heirateten meine Omi und mein 1.Opa.

Omi war Wäscherin und Opa Überlandstrommastsetzer.

1935 wurde der Opa von einem fallenden Mast erschlagen und starb noch auf der Stelle. Omi war also schon mit 24 Jahren Witwe und meine Mutter, noch kein Jahr alt, Halbwaise.

 

Meine Omi hatte 11 Geschwister, 9 Mädchen und 2 Jungs, 2 Kinder starben kurz nach der Geburt. Alle lebten auf einem großen Bauernhof in der Nähe von Tempelburg bei Stettin, heute Polen.

Einige Jahre später zog meine Omi mit eine ihrer Schwestern nach Tempelburg und beide arbeiteten in einem Herrenhaus als Wäscherinnen. Meine Mutter blieb auf dem Bauernhof.

Die Schwester meiner Omi heiratete, doch noch während der Schwangerschaft starb der Mann und

1940 kam sein Sohn (mein späterer Patenonkel) zur Welt.

1945  flüchteten meine Omi mit ihrer Schwestern und den beiden Kindern vor den Russen nach Freest. Dies war ein kleines verschlafenes Fischerdörfchen, welches gegenüber von Peenemünde liegt. 

Der Peenestrom, welcher zwischen Freest und Peenemünde von Wolgast kommend fließt, endet bei Freest und mündet in den Greifswalder Bodden.

 

Informatives:

Gegenüber von Freest  lag die Heeresversuchsanstalt in Peenemünde,

wo Hitler die V1 Raketen bauen und testen ließ.  

Peenemünde war auch zu DDR Zeiten Sperrgebiet und die aus den unterirdischen Bunkern kommenden Startrampen wurden von der NVA (Nationale Volksarmee) für die Starts ihrer Düsenjets benutzt.

 

Alle Vier kamen nach der Flucht bei einem Herrn unter, welchen ich später als Opa Trotz bezeichnete.

Opa Trotz war die Frau gestorben und die Kate, in der er lebte, bestand aus

2 Zimmern, Küche mit Waschgelegenheit, Flur und "Plupmsklo" auf dem kleinen Hof.

In einem der zwei Zimmer lebten die Vier und sie durften die Küche mit benutzen, was nicht überall so war bei Familien die Flüchtlinge aufnahmen.

 

Oma und Schwester gingen im Hafen arbeiteten, wo sie den Fang der Fischer verarbeiteten und zum Räuchern und Einlegen vorbereiteten.

In der Baracke in der sie dies taten, war es im Winter besonders schlimm.

Die Temperaturen waren meist eisig - genau wie der Fisch den sie putzten.

Meine Mutter und mein Patenonkel lernten in der Dorfschule.

 

1949 wurde die DDR gegründet.

1952 wurde mein Vati ein weiteres Familienmitglied. 

Er und mein Patenonkel schliefen auf dem Flur, auf alten Matratzen aus Stroh, denn meine Mutter war mit mir schwanger und die Beiden sollen fürchterlich geschnarcht haben.

 

Mein Vati lernte zu diesem Zeitpunkt auf der Peene Werft in Wolgast Schiffbauer und meine Mutter bei der HO Verkäuferin.

Meine Eltern liefen nach Kröslin Richtung Wolgast und stiegen dort in die Schmalspurbahn um nach Wolgast zur Arbeit zu fahren.

 

Informatives :

1945 wurde die gesamte Schmalspurbahn demontiert und mit den Lokomotiven ging alles als Reparationsleistung in die Sowjetunion. Bis

1963 blieb das Teilstück von Kröslin bis Wolgast zur Personenbeförderung erhalten, danach wurde es noch zum Güterverkehr benutzt.

 

1968 wurden Szenen des DEFA Musikspielfilm´s "Heisser Sommer" auf dem Teilstück dieser Bahn von Kröslin in Richtung Wolgast gedreht.

Die Hauptdarsteller Chris Doerk und Frank Schöbel bewegten sich singend auf einer Draisine fort.

Ich selbst war als begeisterte 14 jährige Zuschauerin im Hafen und am Strand von Freest bei den Dreharbeiten zugegen. Gedreht wurde in den großen Sommerferien und es war gemäß den Temperaturen ein wirklich heißer Sommer.

Mein Taschengeld ging mehrmals für Kinobesuche drauf. Nur um diesen Film zu sehen, später kaufte ich mir auch die LP (Langspielplatte) und

sang kräftig mit.

 

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Mein Leben beginnt 1954

 

1954 wurde ich in Koserow auf der Insel Usedom geboren.

Opa Trotz war derjenige, der über ein Jahr für mich Babysitter gespielt hatte, damit meine Oma und ihre Schwester Fische putzen und meine Eltern ihrer Lehre nachgehen konnten.

1955 zogen meine Eltern mit mir nach Wolgast um, in das neugebaute Wohngebiet um den Ernst - Thälmann - Platz.

 

Meine Eltern brachten mich in eine Krippe/Kindergarten der Katholischen Kirche Wolgast in der August - Dähn - Straße unter. Mit mäßigem Erfolg.

Ich war ein fürchterliches Schreikind und bald lehnten die Schwestern meine Betreuung ab.

 

Also war ich unter der Woche wieder in Freest bei Omi, Schwester, Patenonkel und Opa Trotz, der mich sehr mochte, weil seine Ehe kinderlos geblieben war, wie Omi mir später erzählte.

Oma und Schwester waren weiterhin mit der Fischverarbeitung beschäftigt. 

Dort lernte meine Omi, irgendwann, Ihren 2.Mann Hermann Holtz kennen - 

einen Fischer aus Spandowerhagen. Ein Dörfchen weiter Richtung Lubmin.

Die beiden Dörfer Freest & Spandowerhagen waren nur durch einen großen Mischwald getrennt, in dem wir in den Ferien, von Omi sehr schmackhaft zubereitete Pilze sammelten und die Heidelbeeren wanderten meist in den Mund statt ins Körbchen.

Opa Hermann´s Kutter hieß "Margarete" nach seiner 1.Frau, die in den 1930er Jahren verstorben war. 

 

1958 wurde mein Bruder geboren - ich kam wieder in den Katholischen Kindergarten, schrie scheinbar nicht mehr rum, denn ich besuchte diesen bis ich eingeschult wurde.

1960 heiratete meine Omi ihren Fischer und zog in sein Haus in Spandowerhagen. Ich kam im gleichen  Jahr in die Schule und der

"Ernst des Lebens" begann. Bis

1961 lebte die Schwester meiner Omi noch beim Opa Trotz. Kurz vor dem Mauerbau verließ die Schwester mit meinem 21 Jahre alten Patenonkel bei Nacht & Nebel Freest & floh in den Westen. Mein Patenonkel betrat nie wieder DDR Boden, weil er Angst davor hatte, als DDR Flüchtling verhaftet zu werden. Bis in die Mitte der

1960er Jahre, bis zum Tod von Opa Trotz, besuchten wir ihn regelmäßig. Meine Omi war ihm überaus dankbar für die Hilfe, die er ihr und ihrer Schwester in den schweren Nachkriegsjahren zuteil werden ließ.

Ich kann mich an ihn selbst nur wage erinnern - ABER an den großen ausladenden Birnbaum in seinem kleinen Hof, der so schmackhafte und saftige Früchte trug, wie ich sie nie wieder essen durfte.

 

Aus heutiger Sicht  empfinde ich meine Kindheit und Jugend bei meiner Omi in dem kleinen Fischerdorf Spandowerhagen und meinem Vati in der nahen Kreisstadt Wolgast, als glücklich und geborgen. 

Dies war aber ganz sicher, in Kindertagen, nicht immer so. 

Die Ferien verlebte ich vorwiegend bei meiner Omi.

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Der Ernst - Thälmann - Platz in Wolgast

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Schulzeit in den 1960er Jahren

 

Wie fast alle Kinder bin ich 10 Jahre in die Schule gegangen.

Es gab 8 und 10 Klassen Abgänger in der POS (Polytechnische Oberschule) und in der gesonderten EOS (Erweiterte Oberschule) absolvierte die Hochbegabten 12 Klassen. Es gab auch Sonderschulen für geistig behinderte Kinder mit besonderen Schulplänen.

Von der 1. bis zur 8. Klasse änderte sich an der Zusammensetzung des Klassenverbandes, von ca. 18 Kindern, so gut wie nichts,

außer durch Zu- oder Umzug. Wir kannten uns sozusagen aus dem FF.

 

In den ersten beiden Schuljahren hatten wir eine "alte Jungfer"

als Klassenlehrerin, Frau Utrecht.

Die Erinnerungen an diese "Dame" sind noch heute sehr Unangenehme.

Sie hatte sich zur Aufgabe gemacht, jeden Montag vor Unterrichtsbeginn eine "hygienische Kontrolle" durchzuführen.

Sie stand vor der Klasse - stocksteif - mit verbissenem Gesicht - meist schwarz gekleidet - Haare streng aufs Hinterhaupt zum spärlichen Dutt gesteckt. In der rechten Hand hielt sie ein Lineal aus Holz, welches sie auf die linke Innenhandfläche klatschen ließ.

Das verhieß nie etwas Gutes - sondern nur - es gab Hiebe, obwohl die "Prügelstrafe" abgeschafft war.

Aus jeder der drei Bankreihen wurden mindestens 2 Kinder aufgefordert ihre Strümpfe auszuziehen um die Füße zu zeigen, die Hände und Fingernägel ob sie sauber sind oder an den Nägeln gekaut wurde.

War ihr der Zustand nicht genehm, gab es mit Lineal ein oder zwei schlimme Schläge auf Hände oder Füße.

UND wenn sie ganz schlecht drauf war, mussten wir unsere Schlüpfer runterziehen und sie schaute ob diese auch sauber waren.

Ich habe mich so geschämt. Aber sie verschonte niemanden.

Jeder war dran, wir wussten nur nicht, wen es am Montag erwischte.

Mein Banknachbar aber war jede Woche dran. Er hieß "Mücke" weil er so klein, schmächtig und ein "Widersprecher" war.

Er hatte wirklich ein sehr vorlautes Mundwerk.

Das konnte unsere Lehrerin gar nicht leiden - deshalb ließ sie ihn leiden.

 

Zu unserem Glück hatten sich einige Eltern über diese Methode beschwert und endlich, nach zwei Schuljahren, waren die Torturen vorbei.

Meine Mutter war allerdings eine Fürsprecherin dieser Lehrerin. 

Diese Strenge gefiel meiner Mutter sehr und damit wir Kinder nicht krank wurden war, egal zu welcher Jahreszeit tägliches morgendliches kaltes Duschen angesagt. Meine Mutter bestand darauf und kontrollierte uns Kinder auf die Einhaltung akribisch.

 

Natürlich war ich auch Jungpionier, Thälmann Pionier und habe das blaue und rote Halstuch stolz zu jedem Fahnenappell getragen. Ab der 8. Klasse trugen wir das blaue Hemd der FDJ (Freie Deutsche Jugend).

 

Seit ca.

1965 wurden bei uns in der Schule Bücherlisten vom Verlag "Neues Leben" ausgelegt und wir konnten uns, für sehr wenig Geld, Bücher bestellen. Bis dahin hatte ich schon immer mein Taschengeld in Buchkäufe umgesetzt - ich war eine Leseratte und dies hat sich bis heute nicht geändert.

Oft hatte mich meine Mutter erwischt, wenn ich mit Buch und Taschenlampe spätabends unter der Bettdecke noch las. Die nachfolgende Standpauke war kurz aber heftig leise, weil mein Bruder im gleichen Zimmer schlief.

 

1968 erhielt ich, wie fast alle aus meiner Klasse, die "Jugendweihe", nachdem wir eine gewisse Anzahl an "Jugendstunden" absolvierten. Leider konnten wir uns nicht davor drücken, denn sie waren für uns ein lästiges MUSS waren. Wer nicht erschien wurde getadelt.

Die "Jugendweihe" war der sogenannte Einstieg ins Erwachsenenleben und

meine Familie mit Gästen feierten diese Ereignis in der Gaststätte

"Vier Jahreszeiten" in Wolgast. Einige Jugendliche feierten statt der Jugendweihe Konfirmation für evangelische Christen.

In der Katholischen Kirche wurde die Kommunion bereits mit 9 Jahren begangen.

 

1968 ab der 8. Klasse hatten wir theoretischen und praktischen Unterricht -

den "Unterricht in Technik & Produktion = UTP" auf der "Peene Werft".

Ich kann mich erinnern, dass wir im theoretischen Unterricht eine Lehrerin aus Leipzig hatten. Sie hatte eine furchtbar unverständliche sächselnde Aussprache, welche gar nicht gut bei uns Jugendlichen ankam.

Wir sprachen ausnahmslos ein reines Hochdeutsch und einige auch plattdeutsch. Ich kann es bis auf einige wenige Worte leider, bis heute,

nicht sprechen aber verstehen. 

Einige Mitschüler die im Plattdeutschen recht pfiffig waren und

meistens auf das sächsische Kauderwelsch keine Lust hatten, antworteten auf Platt, nur um die Lehrerin zu ärgern.

Die Lehrerin, welche es nicht so mit der Pünktlichkeit hatte, musste uns vor der Werft als Klassenverband um 8 Uhr abholen. Schließlich wurden auf der Werft Kriegsschiffe gebaut, da konnte nicht jeder reinspazieren wie er wollte. 

 

Mehr als einmal nahmen wir diese Unpünktlichkeit zum Anlass, um uns haargenau um acht schnellstens, um die Hausecke zur Bahnhofsstraße,

zu verdrücken. Wir liefen durch die Stadt über die kleine und große Brücke, welche Wolgast von der Schlossinsel trennt und mit der Insel Usedom noch heute verbindet, zum Fährbahnhof.

Von dort aus fuhren wir nach Koserow zum FKK Strand und ließen es uns gut gehen. Am nächsten Tag erhielten wir nicht nur eine Standpauke vom Direx sondern auch einen Klassentadel.

Diese Aktionen waren die Einzigen, die unsere 8. Klasse, einstimmig und gemeinsam veranstalteten.

Grund dafür war, dass aus drei 8. Klassen, die sich nicht leiden konnten und sich immer in Konkurrenz (bei der Lehrerschaft hieß es Wettbewerb) befanden, zwei Klassen gemacht wurden.

Selbst wir Schüler hatten uns gegen die Zusammenlegung gewehrt und waren - natürlich ohne Chancen. Aber wir hatten es gewagt und versucht.

Unsere zusammen gewürfelte Klasse hatte es weder in der 8. und 9. noch 10. Klasse geschafft sich zusammenzuraufen.

1970 im Juni, nach Beendigung der Schulzeit, trennten sich unsere Wege und wir gingen verschiedene Berufswege verstreut in alle Winde.

Wir hatten in der DDR kurze Ferien zu Ostern Pfingsten und Weihnachten.

Im ganzen Februar waren Winterferien, im Juli und August Sommerferien.

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Foto : Privat

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Ende 1969 Anfang 1970 fiel so viel Schnee, dass unser "Neubaugebiet" um den Ernst-Thälmann-Platz, vom Versorgungsnetz abgeschnitten war.

Wir wohnten in einem Eckhaus Parterre und ich kann mich erinnern, dass sich die Schneeverwehungen über unseren Wohnzimmer -, Badezimmer - und Küchen Fenstern auftürmten.

Mein Vati und die anderen Männer aus unserem Eingang und den zwei anderen Eingängen, gruben Tunnel zu den Straßen. Ob sie allerdings bis zur Peene Werft oder zu anderen Arbeitsstellen kamen, weiß ich nicht mehr.

Aber ich weiß noch, dass  HO Mitarbeiter mit ihren Kindern, darunter waren auch mein Bruder und ich, damals in der 10. Klasse, nebst Schlitten im Gänsemarsch Richtung Großbäckerei, die Richtung Wolgaster Tierpark/ Großernsthof lag, los marschierten.

Endlich dort angekommen wurden unsere Schlitten mit Brot und Brötchen, Flaschenmilch, Butter, Käse uvm. beladen und gut mit Decken geschützt, damit nichts einfror.

Der Tross setzte sich wieder Richtung Ernst-Thälmann-Platz in Bewegung.

Der Weg war sehr beschwerlich, vor allen wegen des hohen Schnee´s und

obwohl die Erwachsenen die Hauptlast zogen. Als wir endlich wieder auf dem Ernst-Thälmann-Platz ankamen, wurden die Lebensmittel verteilt und es ging ab nach Hause wo wir kaputt und durchnässt ankamen.

Der Badeofen wurde angeheizt und einige Zeit später konnten wir uns im heißen Badewasser mit ba-du-san Schaum wieder aufwärmen.

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Die kleine Ladenstraße auf dem Ernst-Thälmann-Platz

vor dem Wintereinbruch 1969

Foto : Privat

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Ich kann mich, außer ein Mal, nicht daran erinnern, dass es lang anhaltende Engpässe bei der Versorgung der Bevölkerung gab.

Aber dieses eine Mal gab es als Beilage, 5 mal in der Woche,

ca. 8 Wochen lang, Nudeln statt Erdäpfel (Kartoffeln) zum Schulessen.

 

Stellen Sie sich nur vor Rotkraut, Sauerkraut und Co. zu Nudeln -

mein Gesicht können Sie sich sicher lebhaft vorstellen.

 

Soweit ich noch weiß, war die Kartoffelernte, wegen der Kartoffelfäule,

sehr schlecht ausgefallen war. 

Damit die Bevölkerung aber genug kaufen konnte, wurde in den Kantinen der Betriebe und Schulen, das Essen mit Nudeln serviert.

Seitdem bin ich, bis heute, kein Nudelfan mehr, obwohl ich damals Nudeln mit gebratener Jagdwurst in Scheiben (auch Jägerschnitzel genannt) und

DDR !!! Tomatensoße geliebt habe.

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Foto : Privat

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Westbesuche in den 1960er Jahren

 

Ich kann mich sehr gut erinnern an die "Westbesuche" der, leider immer wiederkehrenden, ach so netten Verwandtschaft.

Sie haben geprotzt mit ihrem Auto - ihren Klamotten - ihrem Geld und wie großzügig es doch war, dass sie meinen Eltern eine Tüte Kaffee mitgebracht haben und uns Kindern eine Tafel Schokolade.

Sehr schnell habe ich gelernt, dass nicht alles Gold war, was aus dem ach so "goldenen Westen" kam.

Vor allem aber, dass es sehr viel Schein und sehr viel weniger Sein war.

Ich habe diese Besuche gehasst.

Ganz bewusst wurde es mir zu meiner Jugendweihe 1968.

 

Wie schon geschrieben, war mein Opa Fischer und zur Jugendweihe und auch zu sonstigen Besuchen aus dem Westen, bekamen wir Aale vom Opa.

Die aus dem Westen haben sich die dicken Mittelstücke aus der Aalsuppe gefischt und wir Kinder haben die Schwänze bekommen.

 

Mein Vati, der nie in irgendeiner Partei war, hatte sich an den politischen Diskussionen, die immer vom Besuch ausgingen, nie beteiligt.

Auch er wusste was er hatte und den Westen jedenfalls brauchte er nicht.

Meiner Mutter dagegen, obwohl SED Mitglied, hofierte ihre Verwandtschaft

in der Hoffnung am Ende des Besuches ein paar Westmark abzufassen.

All zu oft wurde sie enttäuscht.

 

Informatives :

Nach der Wende gab es im Fernsehen einen Werbespott von irgendeiner Bank, welcher mich sehr an diese Verwandtschaft erinnerte.

Der Akteur knallte seinem Freund Bilder vor die Nase mit den Worten :

"Mein Haus - mein Auto - meine Jacht" oder so ähnlich.

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Lehrzeit und Arbeit von 1970 bis 1973

 

Von 1970 bis 1972, nach 10 Jahren Schule hatte ich bei der HO den Beruf eines Gebrauchswerbers (Dekorateur) erlernt. 

In dieser Zeit hatte ich auch intensiven Kontakt zur DDR Kosmetikwelt in meiner Heimatstadt und der anschließenden Insel Usedom.

Wir hatten kleine, privat geführte Parfümerien. Aber in jedem größeren Ort gab es auch eine HO - Drogerie, mit einem ansehnlichen Kosmetiksortiment, deren Schaufenster damit bestückt wurden.

Wir hatten Parfüms in wunderschönen Flacons, allerdings kann ich mich nicht mehr an die Preise erinnern.

Aber noch schönere Flacons gab es in den privaten Parfümerien.

Dies änderte sich nach 1971 schlagartig und drastisch.

Nach der fast vollständigen Verstaatlichung, der bis dahin privaten Betriebe, setzten Erich Honecker und Co. überall den partei - politschen Rotstift an.

 

In meinem ersten Lehrjahr verdiente ich 60 DDR Mark und im zweiten Lehrjahr 80 DDR Mark. Davon musste ich jeweils die Hälfte an meine Mutter abgeben und von dem Rest musste ich mich verpflegen.

*********************************************************************Den theoretischen Unterricht absolvierte ich mit zukünftigen Dekorateuren und Grafikern in Wickendorf, heute ein Ortsteil von Schwerin im Nordwesten der Republik. Allerdings weiß ich nicht mehr so genau ob Wickendorf schon 1972 eingemeindet war. 

Schwerin und Umgebung war ein Bezirk von insgesamt 14 in der DDR.

Aus den fünf Bezirken Rostock - Schwerin - Neubrandenburg - Frankfurt an der Oder und Potsdam trudelten wir ein.

Dekorateur und Grafiker waren hoch begehrte Berufszweige welche nur alle zwei Jahre ausgebildet wurden.

 

Für 14 Tage Theorie  alle zwei Monate fuhr ich also von Wolgast über Rostock nach Bad Kleinen, stieg dort um in den Zug nach Schwerin und dann ging es weiter mit dem Bus nach Wickendorf.

Dieses Dörfchen lag von Schwerin aus gesehen Jwd "Janz weit draußen" wie der Berliner sagte und die Schule noch weiter von der Haltestelle -

mehr als 2 km.

Diese mussten abgelaufen werden - soweit kein Problem, wenn der schwere Koffer, die Tasche und ein Stolperweg nicht gewesen wären.

Der Koffer hatte, wie heute üblich, keine Rollen und musste getragen werden,denn Taxis auf dem Land waren wie Stecknadel in Heuhaufen.

 

Diese Schule war in der Nazizeit ein Frauengefängnis und lag zum nächsten Haus mindestens 1 km weit entfernt allein auf weiter Flur.

Das Gebäude war alt und gruselig, denn im Keller waren die alten Zellen mit Pritschen, einschließlich Mäusen, Spinnen und sonst so einiges Getier, noch erhalten.

Im Parterre dieses Gruselkabinetts waren der Wirtschaftstrakt, die Unterrichts- und Freizeiträume untergebracht. Die erste Etage war den Jungs und die zweite Etage den Mädchen mit Schlafräumen vorbehalten.

In den Zimmern standen zwei Doppelstockbetten ein Tisch mit vier Stühlen und vier schmale grüne Schränke, wie sie auch die Soldaten bei der Volksarmee hatten.

 

Noch mehr Gruseliges:

Vor meiner ersten Fahrt nach Wickendorf ereignete sich dort ein Gewaltverbrechen. Ein Mädchen wurde auf dem einsamen Weg von oder zur Schule vergewaltigt. Dieses Geschehen wurde nicht offiziell publik.

Nur die Chefs der Berufsausbildungen der jeweiligen Bezirke wurden darüber informiert. Dieser Umstand sollte, mit entsprechenden Hinweisen zu erhöhter Vorsicht, an die Lehrlinge weiter gegeben werden .

So wurde auch meine Mutter über den Vorfall in Kenntnis gesetzt.

Aber nicht sie, sondern meinem Vati kam die Aufgabe zuteil mich diesbezüglich zu unterrichten.

Sexuelle Aufklärung oblag ihm in unserer Familie.

Wir beide gingen, wie so oft, alleine in den Garten und dort erfuhr ich von dem Vorfall bei einer Tasse Tee.

Er fragte, ob ich denn wüsste wie ich mich wehren könnte, sollte ich in eine solche Situation kommen?

Ich wusste es natürlich nicht, wie sollte ich auch - ich las und hörte nichts von solchen Vorfällen.

Jedenfalls erklärte mir mein Vati die Sache in etwa so.

 

"Ich sollte möglichst nie alleine und vor allem nicht im Dunkeln zur Bushaltestelle gehen, sondern nur in der Gruppe.

Dies, so Vati, wäre der beste Schutz für uns Mädchen. Was einleuchtete.

Wenn dies nicht möglich wäre und ich tatsächlich überfallen werden sollte, möge ich einen kühlen Kopf bewahren und sollte mich, trotz der widrigen Umstände, willig zeigen und nicht schreien.

Dadurch würde der Täter ruhiger werden.

Bevor es zu sexuellen Handlungen käme, müsste er seine Genitalien freilegen und dies wäre der entscheidende Augenblick für mich, mit meiner Hand die Hoden zu ergreifen und zu quetschen.

Vor allen Dingen sollte ich ich dabei keine Scham haben, denn es ginge um mein Leben. Dies würde den Täter außer Gefecht setzen.

Erst dann sollte ich beginnen weg zu laufen und zu schreien."

 

Ich weiß zwar nicht mehr so genau, wie ich reagiert habe, aber seine Worte haben sich mir, bis heute, unauslöschlich eingeprägt.

Eine solche Situation blieb mir als Jugendliche erspart.

 

Der Unterricht in der Praxis fand in den Verkaufsstellen der HO in Wolgast und auf der Insel Usedom statt. Da gab es Geschäfte wie das

Magnet Kaufhaus - Eisenwarenladen - 1000 Kleine Dinge - Schreibwarenladen - Schuhgeschäfte - Drogerien.

Auch in den Kaufhallen wurde dekoriert und bei Volksfesten waren wir beim Aufbau ebenfalls dabei.

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Informatives :

1956 fand in Wolgast die Gründung des Vereins Motorrennsport der BSG Motor Wolgast statt und dies als Betriebssportgemeinschaft der Wolgaster 

"Peene-Werft".

1957, anlässlich der 700-Jahr-Feier der Stadt Wolgast, organisierte der Verein das 1.Motocross-Rennen und bereits

1958 wurde dieser Verein eigenständig.

 

Das jährlichen Rennen wurden immer auch zu einem Volksfest und wir Kollegen aus der Werbeabteilung mussten die Fress - Buden schmücken.

Als wir dies auch in der Zeit meiner Lehre taten, überflog uns ein Düsenjet im Tiefflug. Der Pilot war der Ehemann einer Arbeitskollegin und er hatte seine Frau gegrüßt, indem er den Jet 1 Mal kurz nach links und rechts auf die Seite legte. Da er unter dem Radar flog, war er vom selbigen auch verschwunden - was ein erheblich großes berufliches Nachspiel hatte. 

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https://de.wikipedia.org/wiki/Ziesaberg

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http://lebensmittelpraxis.de/zentrale-management/906-marken-transfer.html

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Schon in meiner Lehrzeit war das Wort "Bückdichware" allseits präsent,

egal auf welchem Gebiet.

Eigentlich war das tägliche Leben wie eine "Tauschbörse", wo man die Ware allerdings bezahlen und nicht nur tauschen musste.

"Hast du was für mich, dann hab ich was für dich?!"

 

Wir hatten zwar nie, wie heutzutage, von jeder Wurst 50 verschieden Sorten oder 30 Brotsorten (von denen 2/3 nach Ladenschluss auf dem Müll landen)

oder zig Sorten Käse - trotzdem mussten wir nicht hungern. 

Auch heute benötige, ich persönlich, noch immer nicht diese übertriebene und meist geschmackloseVielfalt .

 

Wir mussten zwar nach sehr vielen Sachen laufen und anstehen um etwas ganz Spezielles zu bekommen. Danach auf überfüllte Busse und Straßenbahnen warten, Einkauf nach Hause schleppen, denn ein eigenes Auto war der pure Luxus, auf den wir bis zu 14 Jahre warten mussten und dazu im Schlepptau die Kinder.

Dies war zwar unangenehme Normalität - aber wir kannten es nicht anders.

 

ABER wir hatten Arbeit und Frieden und damit soziale Sicherheit.

Wir hatten so viel Arbeit, dass wir zum 31. kündigen konnten,

um am folgenden 1. eine neue Arbeit zu beginnen.

 

Wir Frauen waren unseren Männern ebenbürtig.

Wir waren nicht gezwungen unsere Männer zu fragen,

wie es die Frauen im Westen noch in den 1970er Jahren tun mussten,

ob wir arbeiten gehen dürfen, um unser eigenes Geld zu verdienen.

Und ob Frau oder Mann - für die gleiche Arbeit gab es das gleiche Geld.

 

Informatives :

Wir brauchten in der DDR zu keiner Zeit eine "Frauenquote"-

über die noch heute in diesem Staat diskutiert wird.

Was für ein Armutszeugnis !!!

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Beruflicher Umzug 1973

 

1972 im August beendete ich meine Lehrausbildung und begann ohne Pause meine Arbeit als Dekorateur. Während meiner Ausbildung lernte ich meinen späteren Mann kennen, der als Zeitsoldat in Wolgast stationiert war.

 

Wie Sie sicher bemerkt haben, hatte ich zu meiner Mutter kein besonders inniges Verhältnis, zumal dieses noch mehr belastet wurde, nachdem sie mir die Lehrstelle zum Dekorateur beschafft hatte, als Chefin der Berufsausbildung.

Ich hatte schon einen Lehrvertrag zur Technischen Zeichnerin auf der Peene-Werft in der Tasche, als das Angebot zur Ausbildung zum Dekorateur, von ihr kam.

Durch ihren intensiven, aus heutiger Sicht, unangemessenen Druck, hatte ich damals das Gefühl ihr Angebot annehmen zu müssen.

Sie hatte mich sozusagen in der Hand und verlangte Höchstleistungen von mir, die ich nicht gewillt war, in dem Maße, zu erbringen, wie sie es wollte.

 

Mein Vati stand mir in sehr vielen Sachen bei - aber wir hatten keine Chance. Sie hatte die Hosen an und schon während meiner Ausbildung reifte in mir Entschluss, dass ich so schnell wie nur möglich nach meinem Abschluss Wolgast den Rücken kehren würde.

1973 bekam ich durch Zufall, von meinen damaligen Chef, den Tipp,

dass in Senftenberg im Mai eine Stelle neu besetzt werden sollte.

 

Er war mit meiner Arbeit zufrieden, aber meiner Mutter nicht sehr wohlgesonnen. Er hatte stets mit ihr zu tun, wenn es um Lehrlinge ging.

Oft musste ich es zu Hause ausbaden, wenn sie wieder mal ihr Ziel bei meinem Chef nicht erreicht hatte und ich ihr nicht als Zuträger zur Verfügung stand, was in der Abteilung alles geschah und geredet wurde.

Da ich volljährig war, packte ich im März meine 7 Sachen und kehrte Wolgast den Rücken - auf zu neuen Ufern in diesem Fall Senftenberg.

Mein Freund beendete ebenfalls im März seine Dienstzeit. Er ging zurück nach Hause ins Erzgebirge, in das Städtchen Aue und arbeitete dort als Hauer Untertage bei der Wismut.

Von meinem Vati und meiner Omi bekam ich zum Abschied so viel Geld geschenkt, dass ich mir etwas Größeres kaufen konnte, wusste aber noch nicht was es sein sollte. 

Am Tag meiner Abreise ließ meine Mutter es nicht zu, dass ich mich von ihr verabschiedete, sie drehte sich wortlos um und ging weg.

Mein Vati dagegen ließ es sich nicht nehmen mich, in Arbeitskleidung, auf dem Wolgaster Hauptbahnhof zu verabschieden und mir von Herzen Glück zu wünschen.

  

Die Kollegen in Senftenberg hatten für mich eine Wohnung in einem kleinen Häuschen, unweit meiner neuen Arbeitsstelle angemietet. 

Die Wohnung bestand aus einem großen Zimmer mit zwei Fenstern und über eine dreistufige Treppe gelangte ich in eine geräumige Küche.

In dieser stand ein Herd, ein Tisch mit 2 Stühlen und ein altes Küchenbuffett hatte auch schon, vor meiner Ankunft, seinen Platz gefunden. Sogar etwas Geschirr, Besteck und Töpfe waren vorhanden.

Über den Hof kam ich zur Außentoilette.

Im einzigen Stockwerk über mir wohnte eine schon sehr betagte, aber auch sehr nette Dame. Sie lud mich gleich mal auf einen Kaffee ein, den ich ausschlug, weil ich zu der Zeit noch gar keinen Kaffee trank, das kam erst 10 Jahre später. Also bekam ich einen leckeren Kakao.

 

In Senftenberg war die Luft vom nahen Braunkohle Abbau so schmutzig, dass ich schon nach kurzer Zeit überhaupt nicht verstand, wie man dort leben konnte.

Schon bald wurde mir klar für was ich die Geldgeschenke von Vati und Omi

einsetzen würde.

Was mir fehlte war so etwas wie eine Waschküche und mir wurde bewusst, wollte ich nicht alles per Hand in der Küche waschen und spülen, musste eine Waschmaschine her. Also setzte ich meine Geldreserve für den Kauf einer Schwarzenberger Waschmaschine die "WM 66" ein.

Als ich das erste mal Bettwäsche zum Trocknen nach draußen in den Hof hängte und zur Arbeit ging, musste ich sie nachmittags nochmals waschen und spülen, so verdreckt war sie

 

Zu einer lieb gewonnenen Verabredung wurde das abendliche Treffen mit der alten Dame. Wir hatten tolle Gesprächsthemen. Ich bot ihr an, dass ich ihre Wäsche waschen könnte, wenn sie wollte.

Sie hatte Schwierigkeiten mit dem Laufen und schwere Arthrose in den Händen. Ihre Wäsche wusch sie im Waschbecken und einmal im Monat kam der Sohn vorbei und holte die Bettwäsche.

Also wusch ich einmal in der Woche ihre wenige Wäsche.

 

Mit meinem Vati telefonierte ich einmal in der Woche. So blieb ich auf dem Laufenden. Meine Mutter rief mindestens dreimal die Woche in der Dekoabteilung an, aber ich war nie da - auch wenn ich dort war.

Fast jeden Tag kam ein Brief von ihr. Sah ich ihre Schrift legte ich den Brief ohne ihn zu öffnen beiseite. Manchmal war es auch die Schrift vom Vati. Diese Briefe öffnete ich, aber sobald ich die Schrift meiner Mutter sah, legte ich auch diesen ungelesen auf den Stapel, der immer höher wurde.

 

Leider erkrankte ich, obwohl von früher Kindheit an abgehärtet, sehr oft an den oberen Luftwegen.

Als "Fischkopp" super saubere Luft gewöhnt, war ich sehr anfällig für die unsaubere Senftenberger Bergbauluft des Abbaus der Braunkohle.

Dies war mir sehr unangenehm, weil ich ja noch nicht lange in der Abteilung arbeitete und zudem hatte ich sehr nette, verständnisvolle Kollegen.

Trotzdem begann ich zu überlegen meine Zelte in Senftenberg abzubrechen, obwohl mir auch die alte Dame leid tat. Ich mochte sie wirklich sehr, weil sie mich in ihrer Art und Wärme an meine Omi erinnerte.

Zum Abschied aus Senftenberg, im Juni, hatte sie Tränen in den Augen und schenkte mir einen alten, zwar defekten, Regulator, welcher sich noch heute, 2017, in meinem Besitz befindet.

Wenn ich ihn sehe denke ich noch manchmal an die schöne, aber zu kurze Zeit an sie und Senftenberg.

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http://www.antik-falkensee.de/catalog/

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Privater Umzug 1973 und 1975

 

Mein Freund beendete den Abstecher in die Lausitz, indem er mir einen Heiratsantrag machte und wir ein Kind zeugten. 

Ich zog mit ihm nach Aue ins Erzgebirge und arbeitete in einem, noch, privaten Geschäft für Damen Oberbekleidung am Busbahnhof.

Zwei Tage vor Weihnachten heiratete ich das erste Mal, nachdem mir meine künftige Schwiegermutter und die Schneiderin meines Hochzeitskleides mehrmals prophezeite, dass eine Ehe unterm Weihnachtsbaum niemals gut gehen würde. Als Hochzeitsgeschenk bekamen wir mein, an meine Mutter, gezahltes Lehrlingsgeld zurück. 840 DDR Mark habe ich uns praktisch selbst geschenkt.

1974 im April kam unser 1. Kind, eine Tochter, in Schlema zur Welt.

 

1975 zogen wir zum 1. Geburtstag unserer Tochter nach Gera - Lusan um.

Wir hatten zwar eine tolle Neubauwohnung in der Birkenstraße mit Einbauküche, Telefon und Fernwärme für 79 Mark, aber so gut wie kein Mobiliar.

Frohen Mutes fuhren wir in die Geraer Innenstadt ins Möbelhaus am Puschkinplatz, voller Hoffnung eine Schrankwand kaufen zu können.

Die Hoffnung verschwand wie ein Eiswürfel im heißen Wasser.

Die Wartezeit für eine schlichte Schrankwand aus dem nahen Eisenberg,

mit braunen Seitenwänden mit weißen Fächern und Schubladentüren,

betrug ein dreiviertel Jahr. 

Die Lieferung der rustikalen Variante mit, damals, modern vorstehenden Unterteilen, hatte noch ein halbes Jahr länger gedauert.

Da wir keine "Bückdichware" zu bieten hatten, welcher Art auch immer,

ging es auch nicht einen Tick schneller.

Aber damit standen wir nicht alleine und wir haben in dieser Zeit zu Dritt aus den Umzugskartons gelebt.

 

Das DDR Fernsehen bestand zu dieser Zeit aus einem Programm.

Lebhaft kann ich mich an den "Schwarzen Kanal" erinnern, wo der ehemalige "Westberliner" Karl-Eduard von Schnitzler gegen den Westen gewettert hatte.

 

Was damals aber keiner wissen oder bemerken durfte, waren unsere mobilen Kupferantennen auf den Balkonen, mit denen wir heimlich

und in unglaublich schlechter Qualität trotzdem Westfernsehen verschlungen hatten.

Hauptsächlich ARD - was bei uns unter der Hand nur "Außer Raum Dresden" genannt wurde.

Die Stasi-Laufburschen waren des Öfteren unterwegs und hatten die Balkone augenscheinlich unter die Lupe genommen, um verbotene Antennen zu lokalisieren.

Aber so blöd waren wir dann ja doch nicht.

Um uns nicht zu verraten hatten wir diese natürlich am Tag flach auf den Boden gelegt.

Das Westprogramm war für uns natürlich viel interessanter.

Bei uns waren die meistens Filme mit parteipolitischen Parolen gespickt und kritisch angelegte Filme wie "Spur der Steine" wurden nur einmal gezeigt und verschwanden dann in der Versenkung.

Ich kann  mich auch an den Film "Ursula" erinnern. Die einmalige Zusammenarbeit zwischen der Schweiz & der DDR wurde 1978 zwar gedreht, aber erst in den 1980er Jahren einmal im DDR Fernsehen gezeigt.

So einen freizügigen, intimen Film hatten und sollten wir in der DDR nie wieder zu sehen bekommen.

 

Was mich aber am meisten erschütterte waren die Nachrichten aus dem Westen.

Arbeitslosigkeit - Mord und Totschlag - das gegenseitige Beschimpfen der Regierungsmitglieder - das Kompetenzgerangel - die Anschläge der RAF - Korruption u.v.m.

Das alles fand ich einfach nur unwürdig.

Das Schlimmste aber war, wenn berichtet wurde, das irgendwo wieder wochenlang ein Toter in seiner Wohnung gelegen hatte, ohne dass Jemand davon etwas bemerkt haben wollte.

So etwas  konnte ich damals nicht verstehen.

Die Ignoranz seinen Mitmenschen gegenüber war und ist, bis heute,

mir persönlich völlig fremd und unverständlich.

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AK : Privat

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Was ich durch Zufall erfuhr Mitte der 1970er

 

In der Schule bekamen wir in regelmäßigen Abständen, vor allem in den Fächern Staatsbürgerkunde und Geschichte, zu hören, dass unsere russischen Befreier unsere Freunde und Brüder waren.

Ihnen verdankten wir, dass wir in Frieden und Sozialismus leben durften.

 

Wir erfuhren, was die Nazis den Menschen in den Konzentrationslagern und

auf ihren Kriegsmärschen antaten - egal in welches Land sie auch unrechtmäßig einmarschierten um ihrem Ziel,

dem "Tausendjährigen Reich", näher zu kommen.

 

Was Menschen mit Verstand anderen Menschen, die sie zu Untermenschen deklarierten, an Grausamkeiten antaten, hatte nichts mit menschlich zu tun.

Selbst die Tierwelt verhält sich sozialer.

 

Interessant zu hören war auch, dass durch die Nürnberger Prozesse einige Nazis entlarvt und verurteilt wurden - aber im Westen Deutschlands viele Nazis im Staats - und Gemeindewesen ihren Dienst ungeschoren taten. 

 

Was wir nicht zu hören bekamen war, dass es während der Befreiung von der Naziherrschaft durch russische Generäle und Soldaten ebenfalls zu brutalen Gewaltexzessen kam, in Form von Vergewaltigung, Plünderung, Raub, Mord und Totschlag. 

Diese Tatsachen wurden einfach unter den Teppich gekehrt und

waren nicht in unseren Schulbüchern zu lesen.

 

In den 1970er Jahren erfuhr ich von meinem Mann, der im Uranbergwerk unter Tage in Beerwalde/Thüringen bei der "SDAG Wismut" arbeitete, dass das meiste Uran in die Sowjetunion abtransportiert wurde und dies als Reparationszahlung gewertet wurde.

Ich solle aber mit niemanden darüber reden.

Damals hörte ich das 1. Mal bewusst den Ausdruck "Reparationszahlung".

Aber es durfte scheinbar keine öffentliche Diskussion über Reparationen stattfinden, weil damit die Beziehungen zur Sowjetunion beschädigt würden und die Bevölkerung weit mehr über die wirtschaftliche Situation in unserem Land nachdenken würden als der Regierung lieb gewesen wäre.

 

Wikipedia schreibt u.a. dazu unter :

https://de.wikipedia.org/wiki/Reparationen

"Als die Reparationen 1953 für beendet erklärt wurden, hatte die

SowjetischeBesatzungsZone - die DDR die höchsten im 20. Jahrhundert bekanntgewordenen Reparationsleistungen erbracht.

Die Reparationen der DDR betrugen insgesamt

*** 99,1 Mrd. DM (zu Preisen von 1953)

die der Bundesrepublik Deutschland demgegenüber

*** 2,1 Mrd. DM (zu Preisen von 1953).

Die DDR/SBZ trug damit 97 – 98 % der Reparationslast Gesamtdeutschlands – pro Person also das 130-fache."

 

Zwar waren die Reparationszahlungen 1953  für beendet erklärt, aber die DDR Bürger haben, meiner Meinung nach, weiterhin bezahlt - siehe Uran. 

Ich persönlich denke, dass dies auf allen Gebieten unserer Wirtschaft so Uso war, denn wir habe Produkte von Qualität produziert, die sehr viele Jahre hielten.

 

Und wir produzierten nicht nur für die Sowjetunion, sondern für wenige Devisen wurden qualitativ hochwertige Güter auch in den Westen verschleudert, welche sich dann als Angebote in den Katalogen von

Quelle - Neckermann & Co. wiederfanden. Wie z.B.

*** Komet Küchenmaschinen aus Suhl -

*** Strumpfhosen aus Thalheim  & auch

*** Schrankwände aus Eisenberg.

 

Informatives :

Strumpfhosen von "Esda" kosteten bei uns 18 Mark - im Westen 99 Pfg.

Wir haben sie zum Reparieren in einen Stützpunkt für Dienstleistungen gebracht und drüben wurden sie weggeschmissen, laut Westbesuch.

Das Holz aus unseren Wäldern wurde in die Richtungen Ost und West verbracht - verschoben - verschleudert. Fisch, Fleisch usw. ebenfalls.

Diese Liste kann man fast ohne Ende verlängern - mit dem Resultat,

dass wir DDR Bürger laufen  - suchen - anstehen mussten,

weil nicht genug für alle da war.

 

Unser Land war gezwungen billig zu verkaufen und teuer einzukaufen und dies nur aus einem Grund : unserer Wirtschaft und damit uns zu schaden.

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Renaturierte Reuster Halden zur Buga´07 Gera und Ronneburg

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Ein „Exquisites“ Intermezzo in Gera 1980 bis 1982

 

Bei Wikipedia steht folgendes:

„Exquisit-Läden waren Bekleidungsgeschäfte in der DDR mit einem –

verglichen mit den normalen HO- und Konsum-Läden – hochpreisigen Angebot von Bekleidung und Kosmetika. Die Exquisit-Läden wurden seit 1962 auf Beschluss des Ministerrates geschaffen und 1966 durch die Delikatläden ergänzt. Beide Handelsketten sollten den „gehobenen Bedarf“ abdecken. Die Bürger der DDR sollten die Möglichkeit haben, auch ohne Westgeld Luxusartikel zu erwerben. Für den DDR-Bürger waren die Modeartikel jedoch oft finanziell unerreichbar. Die Preise wurden nicht allein vom Hersteller selbst bestimmt, auch eine Kommission, bestehend aus Verkäufern und Filialleitern, hatte Mitspracherecht. Im Gegensatz dazu produzierten die volkseigenen Konfektionsbetriebe vorwiegend schlecht verkäufliche, allgemein als nicht modisch angesehene Kleidungsartikel. Neben wenig ansprechenden, altmodischen Mustern kamen häufig auch qualitativ schlechte Materialien zum Einsatz. Im Volk machten sich schnell Gerüchte breit, die Exquisitwaren seien billige westliche Massenprodukte, die überteuert auf den ostdeutschen Markt gebracht würden. Davon zeugte im Volksmund der Spottname „Uwubus“ steht für „Ulbrichts Wucherbuden“. Allerdings achtete man bei der Exquisitware tatsächlich bewusst auf Qualität. Es gab allein 30 Modedesigner, die für jede Saison eine Kollektion entwarfen und zur Leipziger Messe vorstellten. Die Stückzahlen waren klein: Von einem Modell entstanden im Durchschnitt 300 Stück. Die Mustermodelle wurden strengen Tests auf Tragfähigkeit, Sitz und Passform unterworfen, bevor sie ans Band gingen. Die dafür verwendeten Stoffe kamen mehrheitlich aus westlichen Ländern wie Österreich, Italien, Frankreich und Japan.“

 

Von 1980 bis 1982 „durfte“ ich im „Exquisit“ Gera arbeiten. Bis heute habe ich keine Ahnung warum. Ich wurde delegiert obwohl ich nie einer Partei angehörte.

 

Dieses moderne Geschäft lag im Zentrum von Gera und war bestückt mit aktueller Mode, Parfum und Schmuck wie z.B. Schmuck aus Sandelholz.

Ich erinnere mich, dass dieser Duft so präsent war, dass mir übel wurde, kam ich der kleinen Abteilung auch nur näher wie 2 Meter.

Noch heute gehört dieser Duft nicht zu meinen Lieblingen.

 

Das Geschäft war räumlich großzügig geschnitten und die Exquisit Mode wurde auf 2 Etagen präsentiert. Auf der oberen Etage wurden die Herren eingekleidet,

die untere – größere - Etage war der Weiblichkeit vorbehalten.

Von Oberbekleidung bis hin zu sehr reizvoller Unterwäsche blieb kein

exquisiter Herzenswunsch offen.

Aber diese tollen Kleidungsstücke waren nicht für die „normale werktätige Verkäuferin“ mit einem 420 DDR Mark Monatseinkommen gedacht.

Weil ich dort arbeiten durfte, betrug mein Lohn 620 Mark, davon waren 20 Mark für den Friseurbesuch, laut Arbeitsvertrag.

 

Im Internet  fand ich für das Jahr 1980 ein Durchschnittseinkommen von

1,021 DDR Mark. Wir Verkäuferinnen gehörten jedenfalls nicht zu diesen Spitzenverdienern.

 

Die wohl gefragteste Miniabteilung, die in unserem „EX“ integriert war, war die mit den französischen Düften und Mann/Frau höre und staune

hochwertiger DDR Kosmetik.

Dazu gehörte übrigens auch die Herren Serie aus dem Jahr 1979 „Wild River“.

Ich muss gestehen ich kann mich nicht mehr an den Preis erinnern –

aber heute wird ein Rasierschaum dieser Marke in einem Auktionshaus für fast

!!! 70 € !!! angeboten. Es lässt sich gut Geschäfte machen mit ehemaligen DDR Marken.

 

Aber zurück zu den Düften. Von jedem Duft war eine Probeflasche,

heute Tester genannt, vorhanden. Obwohl nicht erlaubt, habe ich, wie auch alle anderen Kolleginnen, das Parfum privat aufgetragen, denn, eigentlich, es sollte ausschließlich der Kundin ein Spritzer auf das Handgelenk aufgetragen werden.

Teststreifen gab es bei uns nicht – jedenfalls nicht zu meiner Zeit.

Aber während des laufenden Geschäfts konnte die Chefin nicht mitbekommen, ob ich unerlaubt Parfum benutzt hatte.

Wenn ich die Hand einer Dame nahm um ihr Handgelenk zu beduften,

konnte doch wie ganz von allein auch Duft auf mich übergehen. Oder?

Dort habe ich mich auch in ein Parfum verliebt: es war das Parfum von

Guy Laroche „j´ai Osé“.

Dieser Duft war damals, für mich, DER Hammer – heute ist er leider nur noch ein Abklatsch des Originals. Ich war immer hin und weg, wenn ich an meinem Handgelenk schnupperte. Aber für das Sofort kaufen – unerschwinglich.

Wenn ich mich nicht irre, hatte dieser Flakon den stolzen Preis von 150 Mark. Nach 5 Jahren eisernem sparen und einem Zuschuss von meiner geliebten Omi, habe ich mir einen Flakon geleistet, sehr selten benutzt, oft dran geschnuppert und selbst die leere Flasche mit Box noch jahrelang aufgehoben.

 

Im Intershop konnte man mit Westmark später mit Forumschecks Parfum kaufen. Auch Russisches Parfum gab es. Dabei erinnere ich mich an schweres, sehr süßliches Parfum. Russische Mitbürgerinnen erkannte ich zuerst am Duft, dann an der Schminke, dann am Pelz und erst dann an der Sprache.

Ob es bei uns auch ungarisches, polnisches oder tschechisches Parfum gab, ist mir nicht bekannt – außer Rosenduft in Phiolen in gedrechselten, runden, bunt bemalten Holzdöschen mit Zwiebeltop.

 

Bei Wikipedia steht außerdem:

Nach der Wende zeigte sich schnell, dass die Exquisit-Betriebe mit ihren „soliden Angeboten auf dem mittleren Preisniveau“ zu unerfahren waren, um auf dem Modemarkt zu bestehen. Es überlebten nur die Kreativen des Unternehmens, die nun an Kunsthochschulen lehrten, als Designer in Modefirmen oder Gründer eigener Marken. Die Ladengeschäfte in überwiegend sehr guten Innenstadtlagen wurden schnell von westdeutschen Einzelhandelsketten übernommen.

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Neben dem "Exquisit" gab es den Porzellanladen mit dem Namen

"Der Gedeckte Tisch".

Wie der Name schon sagt, gab es dort alles was Frau benötigte um ein ansprechendes Ambiente auf dem Esstisch zu zaubern.

Besser gesagt "sollte" es geben.

Aber auch hier schlug die geplante Mangelwirtschaft zu, wie überall.

Das begehrte Lauschaer Glas und das Zwiebelmustergeschirr aus Kahla gehörten definitiv zur "Bückdichware".

Wenn sich die Kollegen aus dem GHG (Großhandelsgesellschaft) für

Hinz und Kunz mit den Raritäten eingedeckt hatten und noch etwas übrig blieb, gingen diese Raritäten in den "Gedeckten Tisch".

Wir kannten die Wünsche der Kolleginnen von nebenan und sie kannten unsere. Wenn wir also zum Mittagstisch gingen, führte uns erst der Weg zu ihnen und schon war das nächste Stück Glas oder Porzellan gesichert.

Im übrigen bekam die Bevölkerung nur die 2. Wahl zu kaufen,

die 1. Wahl war für den Export bestimmt.

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http://www.spiegel.de/fotostrecke/schaufensterbummel-in-der-ddr-fotografien-von-siegfried-wittenburg-fotostrecke-109367-31.html

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Das Pendant zum "Klamotten Ex" waren "Delikatläden" oder auch bösartig als "Fress Ex" bezeichnet. Den 1. Laden gab es schon 1966.

Ab 1978 wurde mindestens ein Laden in jeder größeren Bezirks- oder auch in einigen Kreisstädten eröffnet.

Hier konnte dann jeder, der die Delikatessen bezahlen konnte, einkaufen.

Darunter waren auch Produkte die eigentlich für den Export bestimmt,

aber von höherer Stelle beanstandet wurden. Darunter waren auch Gestattungsproduktionen.

Der wesentlich höhere Preis und die Verpackung täuschten aber, all zu oft, eine hohe Qualität vor.

An folgende Artikel können sich mein Mann und ich erinnern :

*** Südfrüchte in Dosen und Fruchtsäfte

*** Pralinen und Schokolade  

*** Wein - Sekt und Hochprozentiges 

*** Muscheln - Tintenfisch & Weinbergschnecken u.v.m.

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http://www.spiegel.de/fotostrecke/schaufensterbummel-in-der-ddr-fotografien-von-siegfried-wittenburg-fotostrecke-109367-10.html

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Bordsteinschwalben in der DDR ?!

 

Offiziell gab es in der DDR keine Bordelle. Inoffiziell war es aber kein Geheimnis.Trotzdem gab es sie, die Bordsteinschwalben, vor allem zur "Leipziger Messe".

Wir wussten genau zur Frühjahrs- und Herbstmesse, was auf uns zu kam, denn diverse Damen besuchten unseren Ex, in Begleitung von gut betuchten Herren, die, als Geck und  Macho, ihr Geld sehr gut zur Schau stellen konnten.

Zu diesen Zeiten hatten wir immer einen sehr guten Umsatz.

 

Zu diesen Messen stiegen im "Interhotel" und im "Hotel Schwarzer Bär" in der Bärengasse sehr viele Gäste aus dem kapitalistischen Ausland ab.

Der Portier dieses Hotels soll, laut damaligem Gerücht, des öfteren für diese Herren, ganz legitim, einen "Begleitservice" angefordert haben.

 

Ja ja, zu Hause das Heimchen am Herd und zur Messe die S.. raus lassen.

 

Ende der 1970er Jahre stand das "Hotel Schwarzer Bär", sowie viele andere, im historischen Stadtkern Geras. Diese Gebäude wurden als nicht erhaltenswert eingestuft, und mussten dem Bauvorhaben

"Haus der Kultur" (Eröffnung 10/1981) weichen.

Ein Stück historische Baugeschichte wurde leider unwiederbringlich vernichtet.

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Die 1.Begegnung mit der Stasi 1982

 

Nachfolgende Begebenheiten, die im Vorfeld meinen Vati betrafen,

habe ich erst 1992/93 von ihm persönlich erfahren.

 

1982 fuhren meine Eltern und Omi, geboren 1911, von Wolgast nach Berlin, um sich mit meiner Familie, aus Gera kommend, auf dem Parkplatz vor dem "Palast der Republik" zu treffen.

Wir wollten mein Großtantchen,1905 geboren, am Grenzübergang abholen

um für ein paar Stunden zusammen zu sein.

 

Was im Vorfeld geschah

Meine Mutter hatte, als 300 %iges Parteimitglied, ihrem Parteisekretär der HO Wolgast mitgeteilt, dass sie ihre in Westberlin wohnende Tante in Ostberlin, gemeinsam mit meiner Omi und meinem Vati, treffen wollte.

Da meine Mutter Chefin der Berufsausbildung und stellvertretende Personalchefin war, wurde dieses Ansinnen an die SED Kreisleitung und die wiederum gab es an die Staatssicherheit weiter. Die ganze Prozedur zog sich über Wochen hin bis die Einwilligung ausgesprochen wurde.

 

Inzwischen wurde auch mein Vati gründlich durchleuchtet, denn mein Vati war Geheimnisträger. Er arbeitete von 1953 bis 1989 auf der in Wolgast ansässigen "Peene Werft" als Schiffbauer.

Schon Anfang der 1970er Jahre wurde für Erich Honecker die Staatsyacht "Ostseeland" auf der "Peene Werft" gebaut.

Auch mein Vati und ich waren dabei.

Aber vor allem wurden Kriegsschiffe für die Sowjetunion entworfen, gebaut und gewartet. 1982 arbeitete mein Vati schon einige Zeit auf dem Schnürboden der Werft mit streng geheimen Unterlagen, die sonst im Stahltresor lagen, zu dem er aber jeder Zeit Zugang hatte, da er die Schlüsselgewalt innehatte.

 

Informatives :

Ein Schnürboden ist ein großer Raum mit einem vollkommen ebenen Boden, auf dem das Schiff in Originalgröße aufgezeichnet wurde.

 

Die Stasi nahm meinen Vati mehrmals, wegen des Antrages meiner Mutter,

in die Mangel, mit immer den gleichen Fragen und Litanei.

Sie hatten aber keinen Grund meinem Vati zu misstrauen und auch ihm wurde erlaubt nach Berlin zu reisen, mit der Maßgabe, mein Großtantchen unter keinen Umständen zu sehen.

 

Endlich war es soweit für die Drei. Alles konnte geplant und die Eintagesreise angetreten werden.

Ich hatte niemandem Rechenschaft abzulegen - ich war in keiner Partei und

habe kurzfristig meinen Haushaltstag genommen.

 

Nach der ersten Umarmung mit meinem Vati auf dem Berliner Parkplatz kam der Satz : "Ich gehe jetzt mit meinen beiden Schatten in den Tierpark." 

Und weg war er.

Tatsächlich folgten ihm zwei Männer, die ihnen schon seit Wolgast zu dritt im Auto folgten. Und nicht nur ihm. Auch meiner Mutter, Omi, ihrer Schwester und meiner Familie folgte einer z.B.

*** zum Grenzübergang -

*** zum Kaffee trinken in einem Hotel -

*** zum Mittagessen im "Palast der Republik" und wieder zurück

*** zum Grenzübergang usw.

Nachdem der uns folgende Stasi Mitarbeiter im Palast der Republik nur seinen Ausweis zückte um einen Platz zu ergattern, war meine Mutter die restliche Zeit nur am Meckern über den Typen. 

1. kannte sie alle Drei durch ihre Position bei der HO und

2. konnte sie gar nicht begreifen, dass die Stasi auch sie als Parteimitglied überwachte. 

Sie folgten uns auf Schritt Tritt bis wir uns zur verabredeten Zeit alle, ohne mein Tantchen, auf dem Parkplatz zur Abfahrt wieder trafen.

Meinem Vati folgte einer sogar auf die Tierparktoilette.

Dies war die erste Erfahrung mit der Stasi und ich frage mich noch heute manchmal was wir meinem 77 jährigen Großtantchen für Geheimnisse hätten erzählen können? Denn was die Arbeit meines Vatis betraf, war er immer ein überaus schweigsamer Mann!!!

 

Dieser Besuch in Berlin hatte danach für uns in Gera Konsequenzen,

die ich sehr lange für technische Störungen hielt.

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in memorian

mein geliebter Vati

Werner Jürgens

* 20. Mai 1929 - † 3. Mai 2013

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http://www.aktivimnorden.de/detail/news/auf-neuem-kurs

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Die 2.Begegnung mit der Stasi 1985

 

Übrigens waren mein Großtantchen und meine Omi die Grundsteinlegerinnen für meine Parfüm - Miniaturen - Sammlung.

Zu sehen unter :

https://www.seeteufelchen.info

 

In die "Westpakete" an meine Omi, legte Großtantchen, für eine gewisse Zeit, die aktuellsten Parfüme in Miniaturform.

Da war ich um die 10 Jahre alt.

Weder Omi noch meine Mutter wollten diese Miniaturen, denn ihrer beider Favorit war "Tosca" von 4711.

Natürlich hatte ich mich immer brav für die schönen Fläschchen bedankt beim Tantchen und da sie keine eigenen lebenden Kinder hatte und ich schon immer gerne geschrieben hatte, entwickelte sich ein Briefwechsel.

Bis eines Tages die Frage kam, wie mir das letzte Fläschchen gefiel ?

Diese Frage konnten aber weder meine Omi noch ich beantworten, denn es war keine Flasche im Paket. Meine Omi war schon lange der Meinung, dass die Pakete geöffnet wurden, denn es fehlte wohl schon des öfteren etwas.

 

Wie schon geschrieben hatte wir einen Telefonanschluss und was lag näher diesen auch für Anrufe nach Westberlin zu benutzen.

Die Verbindungen waren zumeist nicht sehr gut, ich dachte mir aber nichts dabei, denn es war immer schön mit Tantchen zu reden, da sie ja alleine lebte und schon Ende 70 war.

Meine Omi erzählte mir einmal, dass sich um ihre Schwester ein Familiengeheimnis rankte. In sehr jungen Jahren war Großtantchen in Stellung bei einem Bruder ihres Vaters, also einem Onkel. Dieser verging sich an ihr und sie wurde schwanger. Der Onkel warf sie aus dem Haus, als Tantchen die Schwangerschaft nicht mehr verstecken konnte.

Sie bekam eine Jungen der aber nach nicht all zu langer Zeit an Typhus starb. Die Schwangerschaft war so geheim, dass nur meine Omi und noch eine Schwester, von insgesamt 12 Geschwistern, davon wussten.

Mein Großtantchen litt so sehr darunter, dass sie sich wohl nie wieder mit einem Mann einließ und bis an ihr Lebensende 2007 alleine blieb.

 

Jedenfalls irgendwann fiel mir auf, dass es bei Anrufen mit Großtantchen und meinen Eltern, egal ob bei eingehenden oder ausgehenden Gesprächen, immer öfter knackte - aber ich dachte immer noch nicht weiter darüber nach, es war nur lästig.

 

1985 bekam ich mein zweites Kind und nachdem ich eine Woche mit dem Kind zu Hause war, klingelte es bei uns an der Wohnungstür in der vierten Etage. Damals wurden bei uns am Tag die Haustüren nicht angeschlossen und Sprechanlagen gab es auch nicht.

Also öffnete ich die Tür und ein Herr mit Aktentaschen stand so dicht vor mir, dass er einen Fuß schon auf der Türschwelle hatte.

Ich wich erschrocken zurück, fasste mich aber schnell und fragte was er wolle. Er zückte und steckte so schnell einen Ausweis weg, dass ich diesen gar nicht lesen konnte, antwortete mir höflich, aber mit kalten Augen und eindringlichen Blick, es ginge um meinen Schwager.

Und dann stand er schon im Flur, ich wich noch ein Stück vor Entsetzen zurück und er schloss die Tür.

 

Ich war völlig verunsichert und irritiert. Ganz unverholen schaute er in die Küche, schlenderte durch das Wohnzimmer mit Essecke, schaute in die Wiege zu meinem schlafenden Kind und betrat ohne mein Einverständnis einzuholen sogar das Kinderzimmer. Zum Glück war meine Tochter in der Schule.

 

So ganz nebenbei sprach er über meinen Neugeborenen als wäre er bei der Geburt dabei gewesen - er wusste ALLES.

Geburtsdatum und Uhrzeit, Gewicht und Größe, dass die Geburt sehr schnell vonstatten ging und wann ich aus der Klinik entlassen wurde.

Ich war mehr als sprachlos - ich war schockiert.

 

Dann setzte er sich unaufgefordert und legte eine Akte auf den Esstisch.

Um das Ganze abzukürzen, er forderte mich auf die Telefonate mit der Tante in Westberlin zu unterlassen und den Briefverkehr mit ihr einzustellen. Als Grund gab er an, dass mein Schwager von der Staatssicherheit rekrutiert werden wollte oder sollte und solche Verwandtschaft wäre nicht zuträglich für seinen Werdegang.

 

Bedenken Sie bitte, mein Großtanchen war damals schon 80 Jahre alt.

Politik war bei unseren Telefonaten kein Thema und als Geheimnisträger war ich auch nicht eingestuft. 

Was also hatte der zukünftige Beruf meines Schwagers mit mir zu tun?

 

Als er dann fragte ob ich seiner Anweisung nachkommen würde,

wurde ich mutig oder besser gesagt trotzig und vor allem wegen seines unverschämten Auftretens sagte ich : NEIN.

Er stand auf, nahm die Akte vom Tisch, seine Tasche und ging ohne Gruß.

 

Endlich war er verschwunden. Mir fiel ein Stein vom Herzen. 

Erst als er die Wohnung mit Türen knallen verlassen hatte,

fiel mir mit Entsetzen ein, was ich mir mit meinem rigorosen "NEIN"

vielleicht eingebockt hatte.

Aber ich wollte mir von so einem "Schnösel" nicht vorschreiben lassen mit wem ich zu telefonieren hatte.

Ich war total aufgewühlt und zitterte am ganzen Körper.

Erst in den nachfolgenden Stunden begriff ich endlich, was das Knacken beim Telefonieren zu bedeuten hatte.

Trotz des abscheulichen Besuches rief noch am gleichen Abend mein Großtantchen an aber ohne den Besuch zu erwähnen.

Die Rebellin in mir war erwacht.

 

So also arbeitete die Stasi mit -

Einschüchterung - Verunsicherung - Anweisung - Befehle.

Im Nachhinein denke ich, bin ich noch milde davon gekommen oder

ich war noch nicht rebellisch genug um weggesperrt zu werden -

wie es zu vielen Andersdenkenden und offen Aufmüpfigen ergangen war.

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http://www.planet-wissen.de/geschichte/ddr/das_ leben_in_der_ddr/pwiediestasi100.html

 

in memoriam

Der grandiose Schauspieler

Ulrich Mühe

* 20. Mai 1929 - † 3. Mai 2013

 

in dem Spielfilm aus dem Jahr 2007 "Das Leben der Anderen"

als Abhörspezialist "Hauptmann Gerd Wiesler"

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ab 1985

 

Wie schon geschrieben wurde das zweite, heute sogenannte Sandwichkind,

im April 1985 & mein Jüngstes im November 1986 geboren.

Schon 1987 im Februar zog die inzwischen 5 köpfige Familie nach Gera-Langenberg in eine Altbauwohnung, was der Wismut Arbeit meines Mannes geschuldet war.  

Drei Räume(2 Kinderzimmer & das Wohnzimmer) waren mit Ofenheizung, das Schlafzimmer hatten keine Heizung & das Badezimmer wurde mittels Durchlauferhitzer mit Warmwasser versorgt.

Unsere Wohnungssituation hatte sich zwar verschlechtert, durch die Ofenheizung - aber das Leben mit zwei Kleinstkindern &

einer schon pubertierenden Jugendlichen plus einem Drei - Schichtarbeiter,

war in der Lusaner Wohnung nicht so prickelnd.

 

Nach dem Babyjahr meines Jüngsten arbeitete ich ab 1988 im Langenberger Kindergarten als Helferin.

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Es folgt der 2. Teil "Heimatlos" auf der nächsten Seite

 

ENDE

Ich bedanke mich herzlich für Ihr Interesse !

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